Die schönsten Strände auf Teneriffa

Wer glaubt, Teneriffa sei nur eine riesige Vulkaninsel, auf der man sich zwischen scharfkantigen Lavabrocken einen Platz für das Handtuch suchen muss, liegt falsch. Aber – und das sage ich gleich vorweg – wer endlose, weiße Puderzuckerstrände wie in der Karibik erwartet, liegt oft auch daneben. Teneriffa ist anders. Wilder. Ehrlicher.

Ich lebe und arbeite nun schon seit Ewigkeiten hier und habe mich durch so ziemlich jede Bucht der Insel geschwommen. Was viele Reiseführer verschweigen: Die Wahl des Strandes entscheidet hier oft darüber, ob man entspannt in der Sonne liegt oder ob man vom Passatwind sandgestrahlt wird wie eine alte Fassade. Es kommt extrem darauf an, wo auf der Insel man sein Lager aufschlägt.

Mal ganz ehrlich: Es gibt hier Ecken, da ist das Wasser so ruhig wie in der Badewanne, und fünfzehn Kilometer weiter brechen Wellen herein, die selbst gestandene Schwimmer nervös machen. Lassen Sie uns also mal Tacheles reden über den Sand, die Steine und wo Sie wirklich hinwollen.

Der Norden vs. Der Süden: Eine Glaubensfrage

Man kann nicht über Strände auf Teneriffa sprechen, ohne den „Elefanten im Raum“ zu benennen: das Wetter und die Sandfarbe. Im Süden haben wir meistens Sonne satt und touristisch perfekt erschlossene Strände. Im Norden hingegen… nun, da ist es grün, oft bewölkt (wir nennen das liebevoll den „Eselbauch“), und der Sand ist schwarz. Tiefschwarz.

Das ist vulkanischer Ursprung pur. Und hier ein kleiner Geheimtipp aus schmerzhafter Erfahrung: Schwarzer Sand heizt sich auf. Und zwar so sehr, dass ich schon Leute gesehen habe, die versucht haben, die zehn Meter vom Handtuch zum Wasser in Rekordzeit zu sprinten, nur um sich danach die Fußsohlen zu kühlen. Badeschuhe oder Flip-Flops bis zur Wasserkante sind im Norden keine Modefrage, sondern Überlebensstrategie.

Die Touristen-Magneten im Süden (und warum sie trotzdem gut sind)

Wenn Sie in einer unserer Ferienunterkünfte an der Costa Adeje oder in Los Cristianos wohnen, haben Sie die Qual der Wahl. Ja, es ist voll hier. Besonders im August liegen die Handtücher manchmal so dicht, dass man fast Händchen halten könnte mit dem Nachbarn. Aber die Infrastruktur ist unschlagbar.

Nehmen wir die Playa de Las Vistas. Sie verbindet Los Cristianos mit Las Américas. Was ich hier schätze, ist die Barrierefreiheit. Holzstege, Duschen, Toiletten, Rettungsschwimmer – hier funktioniert alles. Zudem wurde ein riesiger Wellenbrecher installiert, der das Wasser extrem ruhig hält. Wenn Sie mit kleinen Kindern reisen, ist das hier Gold wert. Kein Stress mit gefährlichen Unterströmungen, einfach nur Plantschen.

Ein Stück weiter nördlich liegt die Playa del Duque. Hier wird es etwas schicker. Das Publikum trägt teurere Sonnenbrillen, die Liegen kosten ein paar Euro mehr, und der Sand ist importiert und gräulich-hell. Es ist sauber, gepflegt und umgeben von 5-Sterne-Hotels. Wer Luxus mag und sich nicht daran stört, dass es etwas künstlich wirkt, ist hier perfekt aufgehoben.

El Médano: Nur für Windfeste?

Fahren wir rüber Richtung Flughafen Süd. El Médano ist eine ganz eigene Welt. Ich liebe diesen Ort, aber man muss wissen, worauf man sich einlässt. Hier bläst der Wind. Fast immer. Deswegen ist es ja auch das Mekka für Wind- und Kitesurfer auf den Kanaren.

Der Hauptstrand, die Playa de El Médano, zieht sich lang bis zum Montana Roja (dem roten Berg). Es ist ein Naturstrand, der Sand ist fein und hellgrau. Die Atmosphäre hier ist völlig anders als in den Touristenhochburgen im Westen. Lockerer, jünger, ein bisschen „Hippie“. Man sitzt in Badehose in den Cafés an der Promenade, trinkt einen Barraquito und schaut den Kitesurfern zu.

Aber Vorsicht: Wenn der Wind richtig aufdreht, haben Sie den Sand überall. Wirklich überall. Trotzdem, für einen Spaziergang am frühen Morgen oder einen Drink zum Sonnenuntergang gibt es kaum etwas Besseres. Übrigens, wer hier in der Gegend nach Immobilien sucht, sollte immer – und ich meine immer – die Ausrichtung der Terrasse prüfen. Windschatten ist in El Médano das wichtigste Verkaufsargument.

Der Norden: Wild, schwarz und wunderschön

Jetzt wird es abenteuerlich. Der Norden der Insel hat Strände, die einem den Atem rauben – manchmal sprichwörtlich, wenn man den Rückweg bergauf antreten muss. Hier ist das Meer rauer. Die rote Flagge weht nicht zur Dekoration, sondern weil die Strömungen (Resaca) lebensgefährlich sein können. Nehmen Sie das bitte ernst.

Playa Jardín – Puerto de la Cruz

Diesen Strand hat César Manrique entworfen. Der Künstler aus Lanzarote hat verstanden, wie man Natur und Design verbindet. Der Strand ist gesäumt von botanischen Gärten, kleinen Wasserfällen und Steinmauern. Der Sand ist pechschwarz, der Blick geht direkt hoch zum Teide (wenn er sich nicht in Wolken hüllt). Dank eines Wellenbrechers gibt es Zonen, in denen man relativ sicher baden kann. Es ist dieser Kontrast – das leuchtende Grün der Pflanzen gegen den schwarzen Sand und das blaue Meer – der diesen Ort so besonders macht.

El Bollullo – Nichts für schwache Nerven

Mein persönlicher Favorit, wenn ich wirklich „raus“ will. Er liegt im Orotava-Tal. Die Anfahrt ist… sagen wir mal, spannend. Die Straße ist so eng, dass man betet, kein Gegenverkehr möge kommen. Vom Parkplatz (der von einem lokalen Restaurantbesitzer bewirtschaftet wird) geht es zu Fuß steil hinunter.

Unten angekommen, fühlt man sich winzig. Die Klippen ragen hoch auf, die Wellen donnern an den Strand. Es gibt eine kleine Strandbar (Chiringuito), wo man Bocadillos und kalte Getränke bekommt. Aber hier gilt: Nur für geübte Schwimmer. Oft geht man nur bis zu den Knien rein, um sich abzukühlen, weil die Brandung einen sonst einfach umwirft.

Benijo – Das Ende der Welt

Fahren Sie ins Anaga-Gebirge, ganz bis zum Ende der Straße hinter Taganana. Dort liegt Benijo. Besonders bei Ebbe und Sonnenuntergang ist das Licht hier magisch. Felsnadeln ragen aus dem Wasser (die Roques de Anaga). Es gibt keine Liegen, keine Schirme, keine Toiletten. Nur Sie, den Ozean und eine lange Treppe, die Sie am Ende des Tages wieder hoch müssen. Viele unserer Gäste, die geführte Wandertouren im Anaga-Gebirge buchen, kommen hierher, um sich nach dem Marsch die Füße im Wasser zu kühlen.

Las Teresitas: Die Sahara auf Teneriffa

Natürlich darf dieser Strand nicht fehlen. Die Playa de Las Teresitas liegt kurz hinter der Hauptstadt Santa Cruz, im Fischerdorf San Andrés. Wenn Sie Fotos von Teneriffas Stränden sehen, ist es meistens dieser: Goldgelber Sand, Palmen, türkisblaues Wasser.

Der Witz daran? Nichts davon ist hier ursprünglich. In den 70er Jahren hat man tonnenweise Sand aus der Sahara importiert, um diesen Traumstrand aufzuschütten. Ein riesiger Wall im Wasser sorgt dafür, dass der Sand nicht weggespült wird und keine Haie reinkommen (ein alter Mythos, aber das Wasser ist tatsächlich sehr ruhig).

Unter der Woche ist es hier herrlich. Am Wochenende treffen sich halb Santa Cruz und halb La Laguna hier. Es wird laut, es wird gegrillt, Musik läuft. Man muss diesen Trubel mögen. Aber das Wasser ist fantastisch zum Schwimmen, und die kleinen Buden am Strand machen hervorragende Mojitos. Parken kann allerdings zum Albtraum werden – kommen Sie vor 10 Uhr oder erst am späten Nachmittag.

Alternativen zum Sand: Die Charcos

Manchmal ist der beste Strand gar kein Strand. Teneriffa ist berühmt für seine „Charcos“ – natürliche Meerwasserschwimmbecken, die durch Lavaströme geformt wurden. Besonders in Garachico oder Bajamar hat man diese Becken mit Betonwegen und Leitern zugänglich gemacht.

Der Vorteil: Man badet im frischen Atlantikwasser, ist aber vor der direkten Wucht der Brandung geschützt. Wenn die Flut kommt und die Wellen über die Mauern in die Becken klatschen, ist das ein riesiger Spaß. Aber Vorsicht auf den rutschigen Steinen!

Versteckte Buchten vom Wasser aus entdecken

Es gibt Buchten auf Teneriffa, die man zu Fuß kaum oder gar nicht erreicht. Die berühmte Masca-Bucht war lange Zeit das Ziel einer Wanderung, ist aber oft gesperrt oder nur mit Genehmigung begehbar. Der schönste Weg, solche Orte zu sehen, ist ohnehin vom Wasser aus.

Sollten Sie über einen Yachtcharter oder einen Bootsausflug nachdenken, fragen Sie den Skipper nach der Bucht von Antequera oder den Klippen von Los Gigantes vom Wasser aus. Dort zu ankern, ins kristallklare Wasser zu springen und oft ganz allein zu sein, ist ein Erlebnis, das kein Hotelstrand bieten kann. Wir organisieren solche Trips regelmäßig für unsere Gäste, und fast immer ist das Feedback: „Das war der beste Tag des Urlaubs.“

Meine Checkliste für Ihren Strandtag

Nach all den Jahren habe ich gelernt, dass man auf Teneriffa anders packen muss. Hier ein paar Dinge, die mir schon oft den Tag gerettet haben:

  • Unterschätzen Sie niemals die UV-Strahlung, auch wenn es bewölkt ist. Besonders im Norden verbrennt man sich durch den dunstigen Himmel (Calima oder Wolken) schneller, als man „Aloe Vera“ sagen kann.
  • Nehmen Sie Wasser mit. Reichlich. An den wilden Naturstränden gibt es keine Kioske, und Dehydrierung in der Mittagssonne macht keinen Spaß.
  • Lassen Sie Wertsachen nicht sichtbar im Auto liegen. Besonders an den abgelegenen Parkplätzen der Wandergebiete und Surfspots. Es passiert selten etwas, aber Gelegenheit macht Diebe.
  • Klammern (Wäscheklammern) für das Handtuch. Klingt albern, aber wenn der Wind auffrischt, bleibt Ihr Handtuch an der Liege und fliegt nicht dem Nachbarn ins Gesicht.

Fazit

Teneriffa hat vielleicht nicht die endlosen Weiten von Fuerteventura, aber die Vielfalt ist ungeschlagen. Morgens im nebligen, mystischen Norden am schwarzen Strand spazieren und nachmittags im sonnigen Süden im goldenen Sand einen Cocktail schlürfen – das geht nur hier an einem einzigen Tag. Probieren Sie nicht nur einen Strand aus. Setzen Sie sich ins Auto und finden Sie Ihre eigene Lieblingsbucht. Es lohnt sich.