Wer unsere Seite kennt, weiß, dass wir Teneriffa in- und auswendig kennen. Wir haben Sie wahrscheinlich schon auf die besten Wanderwege geschickt, Ihnen ein Boot für einen Tag vermittelt oder erklärt, an welchem Strand der Sand am schwärzesten ist. Aber Immobilien kaufen? Das ist eine ganz andere Hausnummer als eine Woche Pauschalurlaub.
Mal ganz ehrlich: Der Gedanke, hier Eigentum zu besitzen, kommt meistens nach dem dritten „Barraquito“ in der Sonne. Man sitzt da, schaut auf den Atlantik und denkt sich: „Warum eigentlich nicht für immer?“
Der Markt auf der Insel ist allerdings speziell. Ich habe in den letzten Jahren gesehen, wie Preise durch die Decke gingen, aber auch, wie Leute echte Schnäppchen gemacht haben, weil sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, hier zu investieren oder komplett herzuziehen, sollten wir mal Klartext reden – ohne Makler-Sprech und beschönigte Exposés.
Der Markt aktuell: Nichts für schwache Nerven
Früher war Teneriffa das Ziel für günstige Altersruhesitze. Das ist vorbei. Der Markt boomt, und das treibt die Preise. Wir reden hier mittlerweile von Durchschnittspreisen um die 3.900 bis 4.000 € pro Quadratmeter in begehrten Lagen. Klar, wenn Sie irgendwo im Niemandsland von Arico eine renovierungsbedürftige Hütte suchen, geht es billiger. Aber wer Strandnähe und Infrastruktur will, muss Zahlen sehen.
Ein paar grobe Richtwerte aus der aktuellen Praxis:
- Suchen Sie eine halbwegs vernünftige Wohnung (kein Luxus, aber bewohnbar), geht es bei etwa 120.000 € los. Darunter finden Sie meist nur Objekte mit massiven Sanierungsstau oder rechtlichen Problemen.
- Bei Häusern wird es unter 230.000 € eng. Und wenn wir über die Kategorie „Traumvilla mit Pool“ sprechen – vergessen Sie es unter einer Million.
- Die Nachfrage nach Immobilien Kanaren-weit ist hoch, aber Teneriffa zieht besonders stark an, weil die Anbindung (Flughäfen Nord und Süd) einfach besser ist als auf den Nachbarinseln.
Interessant ist der Gegensatz zwischen Mieten und Kaufen. Langfristig lohnt sich Kaufen fast immer, wenn Sie das Kapital haben. Die Mieten sind nämlich parallel explodiert. Für ein 60-Quadratmeter-Apartment werden schnell mal 1.000 € im Monat aufgerufen. Das Geld stecken Sie lieber in die eigene Tilgung.
Nord vs. Süd: Die Glaubensfrage
Das ist die erste Entscheidung, die Sie treffen müssen. Das Klima schneidet die Insel in zwei Welten. Ich kenne Leute, die im Norden gekauft haben und nach zwei Wintern genervt in den Süden gezogen sind, weil ihnen die Wolken auf das Gemüt schlugen. Andere fliehen vor der Hitze im Süden.
Teneriffa Süd: Sonne, Touristen und Rendite
Wenn Sie ein Ferienhaus kaufen wollen, um es primär an Touristen zu vermieten und nur ein paar Wochen im Jahr selbst zu nutzen, landen Sie fast zwangsläufig im Süden. Gegenden wie Adeje, Arona oder Los Cristianos sind Geldmaschinen, aber eben auch voll.
Hier zahlen Sie den „Sonnen-Aufschlag“. Eine Villa in La Caleta kostet schnell mal 1,4 Millionen Euro. Dafür haben Sie aber auch fast garantiert 350 Sonnentage. Suchbegriffe wie „teneriffa süd“ dominieren die Portale nicht ohne Grund – hier ist das Geld. Aber es ist eben auch laut, englisch geprägt und weniger „spanisch“.
Der Norden und Santa Cruz: Das echte Leben
Wer wirklich auswandern (Teneriffa) und hier leben will – also so richtig mit Alltag, spanischen Nachbarn und Kultur –, der schaut sich oft eher im Norden um. Die Hauptstadt Santa Cruz (Teneriffa) ist eine fantastische, unterschätzte Stadt. Urban, grün, tolle Restaurants und keine reine Touristenfassade.
Hier bekommen Sie für Ihr Geld oft mehr Quadratmeter. In Santa Cruz finden Sie Wohnungen zwischen 120.000 € und 500.000 €, die oft deutlich großzügiger geschnitten sind als die Schuhkartons in den Touristenhochburgen im Süden. Der Nachteil? Es regnet öfter. Die Vegetation ist nicht umsonst so grün.
Der Papierkram: Wo die Stolpersteine liegen
Ich kann gar nicht oft genug betonen: Kaufen Sie niemals ohne anwaltliche Prüfung. In Deutschland vertraut man dem Grundbuch blind, in Spanien sollte man lieber zweimal hinschauen.
Der Ablauf ist eigentlich standardisiert, aber die Tücken liegen im Detail:
- Die NIE-Nummer: Ohne diese „Número de Identificación de Extranjero“ geht gar nichts. Kein Kauf, kein Auto, kein Internetanschluss. Beantragen Sie diese so früh wie möglich, die Termine bei der Policia Nacional sind oft auf Wochen ausgebucht.
- Der Vorvertrag (Arras): Hier legen Sie sich fest und zahlen meist 10 % an. Treten Sie zurück, ist das Geld weg. Tritt der Verkäufer zurück, muss er Ihnen oft das Doppelte zurückzahlen. Das bindet beide Seiten effektiv.
- Nota Simple prüfen: Das ist der Grundbuchauszug. Hier steht drin, ob auf dem Haus noch Hypotheken lasten oder ob der Pool eigentlich gar nicht existieren dürfte. Gerade bei ländlichen Fincas ist „illegal gebaut“ eher die Regel als die Ausnahme.
Die Sache mit den Zusatzkosten
Viele kalkulieren knallhart mit dem Kaufpreis und fallen dann aus allen Wolken. Faustregel: Packen Sie 10 bis 12 % obenrauf.
Sie zahlen die Grunderwerbssteuer (ITP) von 6,5 %, dazu Notar, Grundbuchamt und Anwalt. Bei Neubauten fällt stattdessen die kanarische Mehrwertsteuer (IGIC) an. Wer das nicht auf dem Konto hat, bekommt Probleme bei der Finanzierung.
Finca, Apartment oder Villa?
Was soll es denn sein? Die romantische Vorstellung von der Finca im Grünen hält sich hartnäckig. Realität ist oft: Viel Arbeit, Probleme mit der Wasserversorgung und manchmal keine legale Stromanbindung. Eine Finca ist ein Lebensstil, keine reine Immobilie. Wenn Sie handwerklich zwei linke Hände haben, lassen Sie es.
Apartments in Anlagen („Comunidades“) sind sorgenfreier. Es gibt einen Gärtner, der Pool wird gereinigt, man teilt sich die Kosten. Aber Vorsicht vor dem „Community-Fee“ (Hausgeld). In Luxusanlagen mit beheizten Pools und 24h-Security können das schnell mehrere Hundert Euro im Monat sein, die Ihre Rendite auffressen.
Vermietung als Einnahmequelle
Ein riesiges Thema für viele unserer Kunden, die auch unsere Touren und Ausflüge buchen: Kann ich mein Haus vermieten, wenn ich nicht da bin? Ja, aber nur mit Lizenz (Vivienda Vacacional – VV). Die Regeln wurden verschärft. In reinen Wohngebieten bekommen Sie diese Lizenz teilweise nicht mehr. Kaufen Sie nichts mit dem festen Plan der Ferienvermietung, ohne vorher geprüft zu haben, ob das Objekt überhaupt „VV-fähig“ ist. Sonst haben Sie eine teure leere Wohnung.
Unser Rat aus Erfahrung
Lassen Sie sich Zeit. Mieten Sie sich doch erst einmal für zwei, drei Monate in verschiedenen Regionen ein. Ein Winter in Puerto de la Cruz fühlt sich anders an als einer in El Médano (wo Ihnen der Wind die Haare vom Kopf weht). Wir sehen oft Leute, die überstürzt kaufen und nach zwei Jahren wieder verkaufen – meist mit Verlust, weil die Kaufnebenkosten erst mal wieder reingeholt werden müssen.
Teneriffa ist ein traumhafter Ort zum Leben und Investieren, wenn man die rosarote Brille abnimmt und die Zahlen nüchtern betrachtet. Ob Sie nun ein Penthouse in Santa Cruz Teneriffa suchen oder ein Ferienhaus kaufen wollen, um dem deutschen Winter zu entfliehen: Die Substanz entscheidet, nicht der Meerblick beim ersten Besuch.
