Hand aufs Herz: Wenn Sie in Deutschland zwischen November und März aus dem Fenster schauen, sehen Sie meistens Grau in allen Schattierungen. Vielleicht riskieren Sie mal neun Löcher auf Wintergrüns, eingepackt wie ein Michelin-Männchen, aber Spaß ist anders. Das ist genau der Moment, in dem Teneriffa ins Spiel kommt. Ich lebe und arbeite jetzt schon eine ganze Weile hier, habe hunderte Golfer betreut und unzählige Runden selbst gedreht – und ich sage Ihnen: Es gibt wenig Besseres, als im Januar bei 23 Grad in kurzärmligem Polo am ersten Abschlag zu stehen.
Aber Teneriffa ist nicht einfach nur „Golf in der Sonne“. Die Insel ist vulkanisch, schroff und verdammt abwechslungsreich. Wer hier herkommt und flache Wiesen wie im Münsterland erwartet, wird sein blaues Wunder erleben. Die Bälle fliegen hier anders (dünnere Luft auf Meereshöhe? Nein, aber oft Wind!), die Breaks auf den Grüns sind durch die Hanglage zum Teide manchmal eine optische Täuschung, und der Lavand im Bunker ist kein Zuckerschlecken.
In diesem Guide nehme ich Sie mal mit auf eine Runde über die Insel – fernab von den Hochglanz-Broschürentexten. Ich zeige Ihnen, wo Sie Ihr Handicap wirklich testen können, wo Sie einfach nur die Aussicht genießen und wo Sie danach das beste Club-Sandwich bekommen.
Der Süden: Wo die Golf-Party steigt
Die meisten Golfer landen im Süden der Insel. Hier ist es trocken, sonnig und die Dichte an Plätzen ist am höchsten. Wenn Sie beispielsweise in einer unserer Ferienwohnungen in Costa Adeje untergekommen sind, fallen Sie quasi aus dem Bett direkt aufs Fairway.
Golf Costa Adeje – Der Platzhirsch
Das ist für mich oft der Startpunkt für Neuankömmlinge. Die Anlage wurde auf alten Bananenplantagen gebaut, was man heute noch an den charakteristischen Steinmauern („Muros“) sieht. Die sind übrigens tückisch. Ein schlecht gezielter Schlag prallt da ab wie ein Flummi – manchmal direkt zurück vor Ihre Füße, manchmal aber auch glücklich aufs Grün. Man braucht hier Strategie.
Was ich an Costa Adeje liebe, sind die riesigen Grüns. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Ein 3-Putt ist hier schneller passiert, als Sie „Bogey“ sagen können. Und dann ist da der Blick. Von fast jedem Loch schauen Sie auf La Gomera rüber. Wenn Sie am Nachmittag spielen und die Sonne langsam sinkt, ist das Licht fast kitschig schön – ein Grund, warum viele unserer Kunden, die Interesse an Immobilien auf Teneriffa haben, genau hier zuschlagen.
Golf Las Américas – Der „Urlaubsplatz“
Dieser Platz liegt mitten im Geschehen, direkt an Playa de las Américas. Man könnte meinen, der Lärm der Stadt stört, aber durch die Art und Weise, wie die Löcher in einer Art Amphitheater angelegt sind, bekommt man davon erstaunlich wenig mit. Es ist ein sehr gepflegter Parklands-Kurs mit viel Wasser. Enten, Schwäne, alles da. Er läuft sich angenehm leicht, fast flach, was auf Teneriffa eine echte Seltenheit ist. Mein Tipp: Buchen Sie hier früh. Der Platz ist extrem beliebt bei den Skandinaviern und Briten und oft Monate im Voraus zu den Stoßzeiten dicht.
Die Herausforderer: Wind, Flugzeuge und schwarzer Sand
Weiter östlich, näher am Süd-Flughafen, wird es rauer und oft auch windiger. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen, vor allem wenn der Passatwind aufdreht.
Amarilla Golf ist so ein Kandidat. Donald Steel hat den designt, und er hat sich was getraut. Das berühmte 5. Loch ist ein Par 3, bei dem Sie über eine kleine Bucht des Atlantiks schlagen müssen. Wenn der Wind von vorne kommt, brauchen Sie verdammt viel Mut (und vielleicht einen alten Ball). Generell ist der Pflegezustand hier manchmal etwas „rustikaler“ als in Costa Adeje, aber der Charakter des Platzes ist unschlagbar.
Direkt daneben liegt Golf del Sur. Früher hatten die hier komplett schwarze Lavasand-Bunker. Das sah spektakulär aus, war aber spielerisch die Hölle, weil der Sand oft zu fest war. Inzwischen haben sie das meiste auf normalen Sand umgestellt, aber der schwarze Vulkancharakter bleibt überall sichtbar in den Waste Areas. Hier fliegen die Flugzeuge im Landeanflug recht nah drüber. Manche Golfer stört das, ich finde es hat was von „Großstadt-Feeling“. Die 27 Löcher hier sind breit, verzeihen aber keine Slices, weil links und rechts oft Kakteen-Wüsten warten.
Luxus pur: Abama Golf
Wenn Geld keine Rolle spielt oder Sie sich einfach mal einen Tag wie ein Tour-Pro fühlen wollen, müssen Sie ins Abama Resort. Wir reden hier von einer anderen Liga, auch preislich. Greenfees knacken hier schnell die 200-Euro-Marke (inklusive Buggy mit GPS). Aber Sie bekommen auch was dafür.
Der Service ist schon fast peinlich zuvorkommend. Man reinigt Ihre Schläger, bringt Ihnen während der Runde frisches Obst und gekühlte Tücher. Der Platz selbst von Dave Thomas ist ein Arboretum – über 20.000 Palmen, weiße Sandbunker (der Sand wurde extra importiert, verrückt, oder?) und Grüns, die so schnell sind, dass man den Ball nur anhauchen muss. Es ist schwer, hier schlecht gelaunt zu sein, selbst wenn der Scorekarte eine Katastrophe ist.
Der wilde Norden und Westen
Die meisten Touristen bleiben im Süden hängen, aber wer Teneriffa wirklich verstehen will, muss den Mietwagen nehmen und fahren. Zwei Plätze stechen hier heraus, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Fangen wir im Nordwesten an, in Buenavista. Buenavista Golf wurde von Seve Ballesteros entworfen, und man merkt, dass der Maestro hier seine Finger im Spiel hatte. Der Platz liegt direkt an den Klippen des Teno-Gebirges. Bei Flut und hohem Wellengang spritzt die Gischt an manchen Löchern bis aufs Fairway. Es ist dramatisch, es ist laut durch das Meer, und es ist windanfällig. Ohne Wind ist der Platz machbar, mit Wind ist er ein Biest. Aber die Lage ist so spektakulär, dass man oft vergisst zu schlagen.
Ganz anders der Real Club de Golf de Tenerife im Norden bei Tacoronte. Das ist „Old School“. Gegründet 1932, der zweitälteste Club in Spanien. Hier spielen die Einheimischen. Es ist viel grüner, es gibt riesige alte Baumbestände, Eukalyptus, Kiefern. Es ist oft 4-5 Grad kühler als im Süden und ja, hier kann es im Winter auch mal nebelig werden oder nieseln. Aber die Atmosphäre im Clubhaus ist unbezahlbar britisch-kanarisch. Man fühlt die Geschichte. Außerdem liegt der Platz auf gut 600 Metern Höhe – der Ball fliegt hier merklich weiter, was dem Ego gut tut.
Tacheles: Was kostet der Spaß und worauf müssen Sie achten?
Golf auf Teneriffa ist kein Billig-Hobby, machen wir uns nichts vor. Aber mit ein paar Tricks kann man das Budget schonen, ohne auf Qualität zu verzichten.
- Die Greenfees schwanken extrem je nach Saison. Die „High Season“ ist von Oktober bis April. Im Sommer (Mai bis September) können Sie oft für die Hälfte spielen. Da ist es zwar wärmer, aber durch den Wind meistens gut auszuhalten.
- Twilight-Angebote sind Ihr bester Freund. Viele Plätze bieten ab 14:00 oder 15:00 Uhr drastisch reduzierte Preise an. Da es auf Teneriffa auch im Winter lange hell genug bleibt, schaffen Sie locker 18 Loch, wenn Sie um zwei starten.
- Pakete buchen. Wenn Sie wissen, dass Sie 3 oder 5 Mal spielen wollen, kaufen Sie Greenfee-Pakete. Wir helfen oft Gästen, die über uns eine Yacht für einen Tag chartern, auch gleich solche Golf-Pakete mit den lokalen Betreibern zu schnüren. Das spart bares Geld gegenüber dem Einzelkauf am Counter.
- Handicap-Nachweis: Offiziell verlangen fast alle Plätze Hcp 28 für Herren und 36 für Damen. In der Praxis? Nun ja, ich habe selten gesehen, dass der Marshal jemanden vom Platz holt, solange er zügig spielt. Aber in Costa Adeje oder Abama wird beim Check-in schon mal auf den Ausweis geschaut. Seien Sie vorbereitet.
Ausrüstung: Mitschleppen oder leihen?
Das ist die Ewige Frage. Die Airlines langen mittlerweile kräftig zu beim Sportgepäck (oft 80-100 Euro pro Strecke). Die Leihschläger auf den Plätzen sind meist modern (TaylorMade, Callaway), kosten aber auch gerne 30 bis 50 Euro pro Runde.
Mein Rat: Wenn Sie nur ein oder zwei Runden „Just for Fun“ spielen, leihen Sie vor Ort. Wenn Sie aber eine volle Golfwoche planen, bringen Sie Ihr eigenes Zeug mit. Alternativ gibt es auf der Insel auch Dienstleister, die Ihnen ein Top-Set für die ganze Woche ins Hotel oder in das Ferienhaus liefern – das ist oft günstiger als die Tagesmiete im Club.
Nach der Runde: Mehr als nur das 19. Loch
Das Schöne an Teneriffa ist ja, dass der Tag nach dem letzten Putt nicht vorbei ist. Die Infrastruktur hier ist gigantisch.
Ich hatte neulich eine Gruppe aus Hamburg, die haben morgens 18 Loch in Las Américas gespielt und sind nachmittags auf einen Katamaran umgestiegen, um Wale zu beobachten. Das geht so nur hier. Oder Sie fahren nach dem Spiel im Norden noch in eine Guachinche (eine traditionelle Weinschenke) und essen für kleines Geld kanarische Kartoffeln und Fleisch, bis Sie platzen.
Wenn Sie mit der Familie kommen und nicht alle Golf spielen, ist das hier sowieso ideal. Während Sie auf dem Platz schwitzen, kann der Rest der Familie an den Strand, in den Siam Park (einer der besten Wasserparks der Welt) oder eine Wanderung zum Teide machen. Wir haben viele Unterkünfte im Programm, die genau diesen Spagat zwischen „nah am Golfplatz“ und „nah am Familien-Spaß“ schaffen.
Fazit
Teneriffa ist nicht Schottland. Hier geht es nicht um puristische Linkscourses, wo man im Regen leidet und das „Charakterbildung“ nennt. Hier geht es um Genuss. Um spektakuläre Ausblicke auf den Ozean, während man seinen Driver schwingt. Um Plätze, die Design-technisch teils waghalsig in Vulkanlandschaften gefräst wurden.
Klar, es ist nicht billig. Aber wenn Sie einmal im Januar bei 24 Grad auf den Grüns von Buenavista standen und die Wellen gegen die Felsen krachen hörten, verstehen Sie, warum so viele Golfer immer wiederkommen. Packen Sie genug Bälle ein, vergessen Sie die Sonnencreme nicht und vor allem: Buchen Sie die Tee Times rechtzeitig. Die Insel ist kein Geheimtipp mehr.
