Cluburlaub auf Teneriffa: Aktivurlaub mit Komfort

Hand aufs Herz: Wenn Sie „Cluburlaub“ hören, denken Sie vermutlich zuerst an Robinson oder Aldiana, an Fuerteventura oder die Türkei. Und Sie haben teilweise recht. Teneriffa war lange Zeit eher die Insel der Individualisten, der Finca-Mieter und der Rucksackwanderer. Aber, und das ist ein großes Aber: Das hat sich gewaltig gedreht.

Ich beobachte die Insel seit über zehn Jahren, habe von der Costa Adeje bis hoch nach Puerto de la Cruz in so ziemlich jedem Bettentyp geschlafen, den es gibt. Was wir in den letzten Jahren sehen, ist eine Verschmelzung. Die großen Hotels haben kapiert, dass „nur Pool und Buffet“ niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Die Leute wollen Club-Feeling, aber ohne diesen zwingenden „Mitmach-Tanz“ um 11 Uhr morgens am Poolrand.

Deshalb ist Cluburlaub auf Teneriffa heute oft ein Hybrid: Luxuriöse Anlagen mit extrem starkem Sportfokus, professioneller Kinderbetreuung, aber eben auch mit der Freiheit, die Insel mit dem Mietwagen zu erkunden. Denn wer auf Teneriffa nur im Hotel bleibt, verpasst das Beste.

Warum Teneriffa anders „clubbt“ als der Rest

Der klassische Cluburlauber sucht oft die Abgeschiedenheit – Tor zu, Welt aus. Auf Teneriffa funktioniert das nicht, und das ist gut so. Die Insel ist zu vielfältig, um sie auszusperren. Die besten Club-Anlagen hier haben sich darauf eingestellt. Sie bieten nicht nur Tennisplätze und Bogenschießen an, sondern organisieren geführte Touren in die Umgebung.

Es gibt hier eine geographische Zweiteilung, die Sie unbedingt beachten müssen, bevor Sie buchen. Das entscheidet nämlich über den Charakter Ihres Urlaubs:

  • Wer absolute Sonnengarantie und das klassische Strand-Feeling sucht, muss in den Süden. Costa Adeje, Playa de las Américas, Los Cristianos. Hier sitzen die großen Resort-Clubs, die oftmals riesige Poollandschaften haben, in denen man sich tagelang verlieren kann. Es ist trockener, karger, aber dafür scheint auch im Januar die Sonne.
  • Der Norden rund um Puerto de la Cruz ist grüner, feuchter und „kanarischer“. Hier sind die Hotels oft älter, haben mehr Patina und Charakter, aber weniger dieses typische „Alles-inklusive-Rundum-Sorglos“-Paket neuerer Bauart. Dafür sitzen Sie abends in einer echten spanischen Bodega und nicht nur im Hotelrestaurant.

Ich hatte mal Kunden, die unbedingt in den Norden wollten, weil es dort so schön grün ist, sich dann aber beschwerten, dass der riesige Aquapark fehlte. Man muss wissen, was man kauft.

Sport ist der neue Luxus

Früher definierte sich ein Clubhotel über die Menge an Hummer am Buffet. Heute fragen mich die Leute: „Haben die vollgefederte Mountainbikes im Verleih?“ oder „Gibt es ein 50-Meter-Becken?“. Teneriffa hat sich zur absoluten Sportler-Insel gemausert. Gerade im Winter trainieren hier die Radprofis am Teide.

Wenn Sie einen Cluburlaub auf Teneriffa buchen, sollten Sie darauf achten, dass das Sportangebot „in-house“ ist. Viele Hotels schreiben „Fahrradverleih“ auf die Website, und vor Ort drückt Ihnen der Rezeptionist dann einen Flyer von einem externen Anbieter in die Hand, der drei Straßen weiter sitzt. Das ist kein Service. Echte Clubanlagen haben eigene Bike-Stationen im Keller, Mechaniker inklusive.

Dasselbe gilt für Wassersport. Ein Hotel in El Médano ohne direkten Zugang zu Surfmaterial wäre witzlos. El Médano ist übrigens der Ort, wo der Wind fast immer bläst – perfekt für Kiter und Windsurfer, aber der Horror für Leute, die nur still am Strand liegen wollen. Sandpaniert wird man da nämlich gratis.

Ein Wort zu den Wanderungen

Die großen Clubs bieten geführte Wanderungen an. Nutzen Sie das, aber seien Sie kritisch bei der Gruppengröße. Mit 40 Leuten durch den Lorbeerwald im Anaga-Gebirge zu trampeln, hat nichts mit Naturerlebnis zu tun. Fragen Sie vorher nach: „Wie viele Teilnehmer maximal?“. Wenn die Antwort „So viele wie in den Bus passen“ lautet, mieten Sie sich lieber selbst ein Auto oder buchen Sie einen privaten lokalen Guide.

Teneriffa bietet Wanderwege, die einem den Atem rauben – im wörtlichen und übertragenen Sinne. Der Aufstieg auf den Teide (oder zumindest bis zur Bergstation der Seilbahn, wenn man nicht ganz so fit ist) ist Pflicht. Aber Vorsicht: Die Höhe macht was mit dem Kreislauf. Ich habe schon gestandene Marathonläufer gesehen, die auf 3.500 Metern plötzlich ganz kleinlaut wurden.

Kulinarik: Warum „All-Inclusive“ Falle und Segen zugleich ist

Okay, Thema Essen. Es ist ja so: Nach einem Tag auf dem Rennrad oder beim Wandern hat man Hunger wie ein Bär. Die Buffets in den hochwertigen Clubs auf Teneriffa (TUI BLUE, diverse H10 Häuser oder die Bahia Principe Resorts) sind mittlerweile meilenweit entfernt von den lauwarmen Warmhaltebehältern der 90er Jahre.

Trotzdem rate ich immer: Buchen Sie, wenn möglich, nur Halbpension oder gehen Sie trotz All-Inclusive mal raus. Warum? Weil Sie sonst die „Guachinches“ verpassen. Das sind diese einfachen, oft garagenartigen Lokale im Norden der Insel, wo es Hauswein und genau drei Gerichte gibt – meistens Kichererbseneintopf, Grillfleisch und Kartoffeln mit Mojo. Das kostet fast nichts, schmeckt aber besser als jedes 5-Sterne-Filet. Ein Cluburlaub, bei dem man das Hotelgelände nie verlässt, ist auf Teneriffa eigentlich Verschwendung.

Achten Sie im Hotel auf „Show Cooking“. Nicht weil es so toll aussieht, wenn der Koch die Pfanne schwingt, sondern weil Sie dann sehen, dass der Fisch frisch ist und nicht schon seit einer Stunde unter der Wärmelampe stirbt. Gerade der lokale Fisch (Vieja, Papageienfisch) ist grandios, wenn er frisch auf den Grill kommt.

Familien vs. Ruhe-Suchende

Das ist ein Minenfeld. Teneriffa hat extrem viele „Adults Only“ Clubs bekommen in den letzten Jahren. Und ganz ehrlich? Wenn Sie keine Kinder haben, buchen Sie so ein Ding. Es ist herrlich ruhig am Pool.

Wenn Sie aber mit Familie reisen, schauen Sie sich die Kinderclubs genau an. Es reicht nicht, dass da ein Raum mit bunten Bällen ist. Gute Clubs auf Teneriffa bieten Schwimmkurse (praktisch, erledigt man das im Urlaub), Teenager-Programme mit Ausflügen in den Siam Park (der beste Wasserpark der Welt, keine Übertreibung) und separate Essensbereiche.

Übrigens, ein kleiner Tipp am Rande für Eltern: Der Siam Park ist teuer und voll. Wenn Ihr Hotel „Fast Lane“ Tickets oder einen Shuttle anbietet, ist das Gold wert. Das sind die kleinen Details, die einen guten Cluburlaub von Stress unterscheiden.

Die Immobilien-Falle (im positiven Sinne)

Es passiert oft: Leute kommen für zwei Wochen Cluburlaub her, verlieben sich in das Klima (konstante 23-25 Grad sind halt ein Argument) und fangen an, in die Schaufenster der Makler zu schauen. Ich kenne Dutzende, die erst Touristen waren und jetzt Immobilien auf Teneriffa besitzen. Die Infrastruktur rund um die großen Hotelzonen ist perfekt – Ärzte, deutsche Supermärkte, alles da. Wer also mit dem Gedanken spielt, später mal hier zu überwintern, nutzt den Cluburlaub oft als „Testwohnen“.

Ausflüge jenseits des Mainstreams

Ihr Reiseleiter im Club wird Ihnen die Inselrundfahrt im Bus verkaufen wollen. Kann man machen. Muss man aber nicht. Wenn Sie etwas erleben wollen, das hängenbleibt:

  • Fahren Sie zum Whale Watching, aber nicht mit den Partybooten, wo der Alkohol wichtiger ist als die Tiere. Suchen Sie nach kleinen Anbietern mit Meeresbiologen an Bord. Die Gewässer zwischen Teneriffa und La Gomera sind voll mit Pilotwalen. Es ist ein irre Gefühl, wenn diese Riesen friedlich neben dem Boot schwimmen.
  • Für die ganz Exklusiven: Man kann auch Yachten chartern. Das klingt dekadent, ist aber, wenn man es sich mit zwei Familien teilt, oft gar nicht viel teurer als die großen Touri-Katamarane, dafür hat man seine Ruhe und bestimmt den Kurs selbst.
  • Oder schauen Sie sich den Markt für Bootsverkäufe an, wenn Sie ganz verrückt sind – auch das haben schon Leute im Urlaub spontan entschieden, auch wenn ich davon abrate, das nach dem dritten Cocktail zu tun.

Wann ist die beste Zeit?

Hier wird viel Unsinn erzählt. „Immer Frühling“ stimmt zwar grob, aber es gibt Nuancen. Wenn Sie Cluburlaub mit viel Poolzeit wollen: Juni bis Oktober. Da ist das Wasser warm. Im Februar kann der Atlantik nämlich verdammt frisch sein (19 Grad), und wenn der Pool nicht beheizt ist, wird der „Aktivurlaub“ schnell zur Zitterpartie.

Wanderer lieben den Frühling und den späten Herbst. Im Hochsommer in den Cañadas del Teide zu wandern, grenzt an Masochismus – da brennt die Sonne gnadenlos und es gibt keinen Schatten. Gar keinen.

Und dann gibt es noch die „Calima“. Wenn der Wind aus der Sahara kommt, wird der Himmel gelb, die Temperaturen steigen sprunghaft an und alles ist voller feinem Sand. Das dauert meist nur 2-3 Tage, aber in der Zeit können Sie Outdoor-Sport vergessen. Ein guter Club bietet dann Alternativen drinnen an – Yoga, Fitnessstudio, Spa.

Mein Fazit zum Thema Cluburlaub auf Teneriffa

Es ist nicht mehr das angestaubte Konzept von gestern. Es ist die bequemste Art, eine der vielseitigsten Inseln der Welt zu erleben, ohne sich um Logistik kümmern zu müssen. Der Schlüssel liegt in der Auswahl: Meiden Sie die Betonburgen der 70er, die nur kosmetisch renoviert wurden. Suchen Sie nach Anlagen, die Sport und lokale Integration ernst nehmen.

Und tun Sie mir einen Gefallen: Verlassen Sie den Club. Gehen Sie in eine Barraquito-Bar (Kaffee mit Likör, Kondensmilch und Zitrone – klingt wild, schmeckt göttlich), fahren Sie in die Nebelwälder, springen Sie in den Atlantik. Das schöne Bett und das Buffet warten ja am Abend wieder auf Sie.