Teneriffa ist steil. Verdammt steil. Wer schon einmal mit einem Mietwagen versucht hat, in Masca ohne Schweißausbrüche zu wenden, oder in den engen Gassen von Icod de los Vinos stecken geblieben ist, der weiß: Manchmal ist es einfach besser, sich chauffieren zu lassen.
Ich lebe nun schon eine ganze Weile hier, und auch wenn ich gerne selbst fahre, gibt es Tage, an denen ich den Autoschlüssel lieber am Haken lasse. Busreisen und Rundfahrten auf Teneriffa sind nämlich weit mehr als nur Rentner-Bespaßung mit Heizdeckenverkauf (obwohl es das natürlich auch gibt, dazu kommen wir noch). Es ist oft der entspannteste Weg, diese doch recht komplexe Inseltopografie zu bewältigen.
Egal, ob Sie nur schnell vom Süden in den Norden wollen oder eine geführte Tour zum Teide planen – lassen Sie uns mal ganz pragmatisch durchgehen, wie das hier läuft. Ohne Reisebroschüren-Sprech, sondern so, wie es wirklich ist.
Die grünen Riesen: Unterwegs mit TITSA
Wenn Sie hier jemanden nach dem „Bus“ fragen, ernten Sie vielleicht verwirrte Blicke. Das Ding heißt hier Guagua (ausgesprochen: Wa-wa). Warum das so ist? Da streiten sich die Gelehrten, manche sagen, es kommt aus der Karibik, andere meinen, es ist lautmalerisch. Fakt ist: Die grünen Busse der Gesellschaft TITSA sind das Rückgrat der Insel.
Im Gegensatz zu vielen anderen Urlaubsregionen ist das Netz hier überraschend gut. Ich nutze die „Guaguas“ oft, wenn ich Freunde zum Flughafen bringe und keine Lust habe, den Parkplatzwucher dort zu zahlen.
Wie Sie nicht wie ein kompletter Tourist aussehen
Das System hat sich in den letzten Jahren modernisiert. Früher hat man beim Fahrer mit Kleingeld hantiert – das geht zur Not immer noch (aber wehe, Sie kommen mit einem 20-Euro-Schein für eine 1,45 Euro Fahrt, der Fahrer wird Sie fressen), aber cleverer ist es anders.
- Die Einheimischen und schlauen Expats nutzen die ten+ Karte (tenmás). Das ist eine Aufladekarte, die Sie an fast jedem Kiosk oder Busbahnhof (Estación) bekommen.
- Noch einfacher: Die App ten+móvil. Geld aufladen, QR-Code im Bus scannen.
- Wichtigstes Detail, das fast jeder beim ersten Mal falsch macht: Sie müssen beim Einstiegen UND beim Aussteigen „stempeln“ (die Karte an den Leser halten). Vergessen Sie das Auschecken, wird der Preis bis zur Endstation berechnet. Das kann bei einer Linie, die einmal um die Insel fährt, teuer werden.
Achtung bei den Fahrplänen: Die „geschätzten“ Zeiten an den Haltestellen sind oft genau das – Schätzungen. Teneriffa hat Verkehr. Wenn in der Immobilien-Hochburg Costa Adeje Stau ist, dann kommt der Bus eben 15 Minuten später. Nutzen Sie die Echtzeit-Funktion in Google Maps oder der TITSA-App, die ist erstaunlich präzise.
Organisierte Rundfahrten: Die Spreu vom Weizen trennen
Jetzt mal Butter bei die Fische. Es gibt Touren, die sind fantastisch, und es gibt solche, bei denen Sie fünf Stunden lang in einen Teppichladen gezwungen werden. Ich habe beides erlebt.
Wenn Sie eine organisierte Busrundfahrt buchen, schauen Sie genau hin. „Inselrundfahrt“ für 15 Euro? Finger weg. Das finanziert sich meist über Verkaufsveranstaltungen für Aloe Vera, Perlen oder Matratzen. Eine seriöse Tagestour kostet Geld – rechnen Sie mal mit 40 bis 80 Euro pro Nase, je nach Inklusivleistungen.
Der Klassiker: Teide bei Nacht
Ich empfehle selten „touri-typische“ Dinge, aber der Teide bei Sonnenuntergang oder nachts zum Sterne gucken ist im Bus tatsächlich angenehmer. Warum? Weil die Fahrt vom Meeresspiegel auf 2.300 Meter Höhe anstrengend ist. Sie fahren durch Wolken, Regen, Nebel und oben pralle Sonne. Wer selbst fährt, sieht nur Asphalt und Bremslichter.
Im Bus sitzen Sie erhöht. Sie sehen, wie sich die Vegetation von Bananenplantagen über Kiefernwälder bis hin zur Mondlandschaft verändert. Außerdem: Wenn Sie oben ein Glas Sekt trinken wollen, muss ja einer nüchtern bleiben. Beim Busfahrer gehe ich davon aus, dass er es ist.
Warum Sie für Masca den Bus nehmen SOLLTEN
Ich hatte mal Gäste, die sich unbedingt einen Mietwagen nehmen wollten, um das berühmte Bergdorf Masca zu besuchen. Gegen meinen Rat. Sie kamen drei Stunden später völlig bleich und mit zitternden Knien zurück zur Ferienwohnung. „Nie wieder“, war der einzige Kommentar.
Die Straße nach Masca (TF-436) ist ein absolutes Abenteuer. Haarnadelkurven, bei denen man zurücksetzen muss, wenn Gegenverkehr kommt. Abgründe direkt neben dem Reifen. Hier fahren Linienbusse und kleine Reisebusse.
Ganz ehrlich: Überlassen Sie das den Profis. Die Busfahrer auf dieser Strecke sind meiner Meinung nach die besten der Welt. Die zirkeln einen 12-Meter-Bus um Ecken, wo ich kaum mit dem Fahrrad lang traue. Wenn Sie im Bus sitzen, können Sie die atemberaubende Schlucht genießen. Wenn Sie selbst fahren, starren Sie nur panisch auf die Stoßstange des Vordermanns und beten, dass die Bremsen halten.
Wichtige Linien für Individualisten
Sie wollen keine Tour buchen, aber trotzdem was sehen? Hier sind meine persönlichen Favoriten im öffentlichen Netz:
- Linie 348 (von Puerto de la Cruz) & 342 (von Costa Adeje) zum Teide: Das ist die Low-Budget Variante für Wanderer. Aber Vorsicht: Es gibt oft nur EINEN Bus morgens hin und EINEN nachmittags (meist gegen 16:00 Uhr) zurück. Verpassen Sie den, wird das Taxi extrem teuer. Oder Sie müssen laufen – und das dauert.
- Linie 363 (Puerto de la Cruz – Buenavista del Norte): Eine der schönsten Strecken entlang der Nordküste. Sie fahren durch Icod, Garachico und Los Silos. Setzen Sie sich auf die rechte Seite (in Fahrtrichtung), da haben Sie das Meer.
- Der Aeroexpress (Linie 40, 111, 343): Die Linie 343 ist Gold wert. Sie verbindet Puerto de la Cruz und Los Cristianos direkt und hält an beiden Flughäfen. Ohne Umsteigen vom Norden in den Süden in gut 90 Minuten. Schneller geht’s kaum.
Sichtweise eines Insiders: Was Sie vor der Fahrt wissen müssen
Es gibt ein paar Dinge, die stehen in keinem Reiseführer, aber sie bestimmen darüber, ob Ihre Fahrt ein Traum oder ein Albtraum wird.
Die Sache mit der Klimaanlage
Die Busfahrer auf Teneriffa lieben ihre Klimaanlagen. Sie lieben sie so sehr, dass sie die Busse oft auf arktische Temperaturen herunterkühlen. Selbst wenn draußen 30 Grad sind und Sie im Trägershirt schwitzen – nehmen Sie einen Pullover oder ein Tuch mit in den Bus. Ich habe mir schon so manche Erkältung geholt, weil ich dachte „Ach, ist doch Sommer“. In den höheren Wandergebieten wird es ohnehin kühl, aber im Bus ist es oft kälter als auf dem Teide-Gipfel.
Magenfestigkeit
Teneriffa ist im Grunde ein riesiger Vulkanberg. Es geht fast nie geradeaus. Die Straßen winden sich in Serpentinen hoch und runter. Wenn Sie empfindlich sind: Setzen Sie sich nach vorne. Nicht nach hinten, da schaukelt es wie auf einem unserer Yachtcharter-Boote bei Wellengang. Reisekaugummis aus der „Farmacia“ (Apotheke) sind eine Investition von 3 Euro, die Ihnen den Tag retten kann. Besonders auf dem Weg nach Anaga oder Masca.
Alternativen zum Bus
Manchmal passt der Bus einfach nicht. Wenn Sie zum Beispiel ein Boot kaufen wollen und verschiedene Yachthäfen an einem Tag besichtigen müssen, sind Sie mit dem Bus zu unflexibel. Die Taktung in abgelegene Häfen ist oft dünn. Auch für Leute, die ernsthaftes Interesse an Immobilien an entlegenen Orten haben, ist der Mietwagen dann doch Pflicht.
Aber für den klassischen Urlaubstag? Lassen Sie das Auto stehen. Nehmen Sie die Linie 408 nach San Cristobal de La Laguna, trinken Sie dort entspannt einen Wein und lassen Sie sich von TITSA wieder nach Hause schaukeln.
Busreisen auf Teneriffa sind sicher, sauber und – wenn man das System mit der Karte einmal kapiert hat – spottbillig. Es ist die beste Art, das echte Leben auf der Insel zu beobachten. Man hört die Schüler tratschen, sieht die Omas mit ihren Einkaufstrolleys kämpfen und bekommt ein Gefühl für den Rhythmus der Insel, den man hinter der Windschutzscheibe eines Mietwagens oft verpasst.
