Top Ausflüge und Touren auf Teneriffa

Seien wir mal ganz ehrlich: Wenn man zum ersten Mal nach Teneriffa kommt, wird man von der schieren Masse an Angeboten förmlich erschlagen. An jeder Straßenecke in Costa Adeje oder Playa de las Américas steht jemand mit einem Clipboard, drückt einem bunten Flyer in die Hand und verspricht „den besten Tag Ihres Lebens“ für 49,90 Euro. Ich habe das über Jahre beobachtet – und ich habe oft genug gesehen, wie Urlauber enttäuscht von einer Massenabfertigung zurück ins Hotel kamen.

Das muss nicht sein. Teneriffa ist viel zu schade für schlechte Touren.

Diese Insel ist im Grunde ein Miniatur-Kontinent. Wir haben hier Mikro-Klimazonen, die so unterschiedlich sind, dass man morgens im Schneematsch auf dem Teide stehen und nachmittags bei 28 Grad am Strand verbrennen kann. Genau deshalb erfordert die Auswahl der richtigen Ausflüge ein bisschen Fingerspitzengefühl. Nach unzähligen Jahren hier auf der Insel habe ich gelernt, was wirklich das Geld wert ist und wo man nur in einer Touristenfalle landet.

Der Gigant: Touren zum Teide (und wie man es richtig macht)

Der Teide ist das Aushängeschild. Man kann ihn nicht ignorieren, er dominiert buchstäblich die Insel. Aber es gibt himmelweite Unterschiede, wie man diesen Vulkan erleben kann.

Die meisten buchen einfach die Standard-Bustour. Man wird um 8 Uhr morgens am Hotel abgeholt, karrt zwei Stunden den Berg hoch, macht drei Fotostopps an den Roques de García und fährt wieder runter. Kann man machen. Ist aber, unter uns gesagt, sterbenslangweilig, wenn man nicht gerade ein Geologie-Fanatiker ist, der gerne im Bus sitzt.

Wer den Vulkan wirklich spüren will, sollte die „Teide by Night“ Option in Betracht ziehen oder zumindest zum Sonnenuntergang hochfahren. Wenn die Busse der Tagestouristen weg sind, wird es da oben totenstill. Das Licht ändert sich komplett. Die Lavafelder sehen plötzlich nicht mehr aus wie ein Parkplatz, sondern wie eine Marslandschaft.

Ein Wort zur Seilbahn und dem Gipfel

Hier tappen neun von zehn Leuten in die Falle: Sie kaufen ein Ticket für die Seilbahn, fahren hoch auf 3.555 Meter und denken, sie können mal eben zum Kraterrand spazieren. Pustekuchen. Ohne spezielle Genehmigung (die man Monate im Voraus online reservieren muss) ist an der Bergstation Schluss. Die Ranger sind da gnadenlos.

  • Bucht die Seilbahn-Tickets Wochen im Voraus. Die Slots sind oft schon mittags ausgebucht.
  • Die Luft da oben ist dünn. Wirklich dünn. Ich hatte schon Gäste, sportliche Typen, denen nach zehn Stufen schwindelig wurde. Unterschätzt die Höhe nicht.
  • Und bitte, zieht euch vernünftige Schuhe an. Ich sehe immer wieder Leute in Flip-Flops auf Lavagestein. Das endet meistens blutig.

Für diejenigen, die flexibel bleiben wollen, empfehle ich oft, einen Mietwagen zu nehmen und auf eigene Faust durch die Cañadas zu fahren. Man kann anhalten, wo man will, und muss nicht warten, bis 40 andere Leute wieder im Bus sitzen.

Wale und Delfine: Vorsicht bei der Bootswahl

Zwischen Teneriffa und La Gomera leben grindwale (Pilotwale) und Tümmler fast das ganze Jahr über. Die Wahrscheinlichkeit, welche zu sehen, liegt bei fast 100%. Das ist kein Marketing-Gerede, die sind wirklich da.

Aber hier ist der Haken: Es gibt Boote, die jagen die Tiere regelrecht, und es gibt solche, die respektvoll Abstand halten. Achtet unbedingt auf die „Barco Azul“ Flagge (gelbes Boot auf blauem Grund). Das ist das offizielle Lizenzzeichen der Regierung für zertifizierte Walbeobachter.

Vom Erlebnis her gibt es zwei Lager:

Die großen Katamarane (wie die Royal Delfin oder Freebird) sind schwimmende Party-Plattformen. Da gibt es Paella, Freibier und laute Musik. Wenn ihr Spaß und Sonne wollt, ist das super. Man liegt im Netz über dem Wasser, lässt sich bräunen, und ab und zu sagt der Kapitän: „Guck mal, links ein Wal.“

Wer die Tiere wirklich erleben will, sollte auf ein kleines Zodiac oder ein Segelboot gehen. Wenn der Motor aus ist und man nur das Atmen der Wale neben dem Boot hört – das ist Gänsehaut pur. Diese Touren starten oft ab Los Gigantes, was den Vorteil hat, dass man die riesigen Felswände direkt vom Wasser aus sieht. Ein Anblick, der einen ziemlich klein fühlen lässt.

Schaut euch unsere Rubrik für Yachtcharter an, wenn ihr lieber ganz unter euch sein wollt. Manchmal kostet ein privates Boot für 6 Personen kaum mehr als 6 Tickets auf dem großen Party-Kahn.

Der Norden: Anaga und der „echte“ Dschungel

Die meisten Touristen wohnen im Süden, wo die Sonne scheint und die Landschaft eher wüstenartig ist (Kaktus, Stein, Staub). Wenn ich Freunden den Norden zeige, glauben die oft nicht, dass sie noch auf derselben Insel sind.

Das Anaga-Gebirge ist für mich persönlich der magischste Ort hier. Es ist ein Lorbeerwald – ein Relikt aus dem Tertiär. Das klingt akademisch, heißt aber praktisch: Es sieht aus wie im Jurassic Park. Nebelschwaden, Moos, das von den Bäumen hängt, Farne so groß wie Autos.

Das Problem ist die Anfahrt. Die Straßen sind eng und kurvig. Wer nicht gerne Auto fährt, sollte hier definitiv eine geführte Tour buchen. Parkplätze sind am Cruz del Carmen Mangelware, besonders am Wochenende.

Für Wanderer ist das hier das Paradies. Aber Achtung: Es ist oft nass und rutschig. Gute Profilsohlen sind Pflicht. Ich bin dort oben schon mehrfach auf dem Hosenboden gelandet, weil ich dachte, meine Straßenschuhe reichen für „den kleinen Spaziergang“.

Freizeitparks: Loro Parque und Siam Park

Man kommt an diesen beiden Namen nicht vorbei. Sie gehören zusammen und dominieren die Plakatwände. Lohnt sich das? Ja und Nein.

Der Siam Park wird oft als bester Wasserpark der Welt ausgezeichnet. Zurecht? Ganz ehrlich: Ja. Die Rutschen sind brutal gut, die Anlage ist extrem gepflegt und das Wellenbad ist der Hammer. Der Nachteil: Es ist teuer und voll. Wenn ihr hingeht, investiert das Geld in den „Fast Pass“. Ohne den steht ihr im Hochsommer an der „Tower of Power“ locker 60 bis 90 Minuten an. Mit dem Pass seid ihr in 10 Minuten durch. Zeit ist im Urlaub auch Geld.

Loro Parque ist ein anderes Thema. Der Park in Puerto de la Cruz ist wunderschön angelegt, botanisch ein Traum. Die Tiershows sind Geschmackssache – darüber streiten sich die Geister. Aber als zoologische Einrichtung ist er Weltklasse. Wenn ihr beide Parks machen wollt, kauft das „Twin Ticket“. Das spart spürbar Geld im Vergleich zu den Einzelpreisen.

Aktivurlaub: Mehr als nur am Pool liegen

Teneriffa hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Früher ging es nur um „Eimer Saufen und Sonnenbrand“, heute kommen Profisportler hierher.

Das Thema Radfahren ist riesig geworden. Aber Vorsicht: Teneriffa ist steil. Wer nicht gerade Waden aus Stahl hat oder Jan Ullrich heißt, sollte sich unbedingt ein E-Bike leihen. Gegen den Wind den Berg hochzufahren macht ohne Motor absolut keinen Spaß, glaubt mir. Es gibt geführte E-Bike Touren zum Teide hoch, die erstaunlich machbar sind.

Ein weiteres Highlight ist Paragliding. Man startet meistens oben in Taucho (oberhalb von Adeje) und gleitet ganz sanft runter bis an den Strand. Ich hatte schon Gäste, die Höhenangst hatten und es trotzdem geliebt haben. Es ist kein freier Fall, sondern eher ein Schweben. Man sieht die Hotels von oben wie Legosteine. Ein Tandemflug kostet zwar ein paar Euro, ist aber eine Erinnerung, die bleibt.

Masca: Das Dorf und die Schlucht

Früher war die Masca-Schlucht-Wanderung der Klassiker: Oben reinlaufen, unten am Strand warten, mit dem Boot zurück nach Los Gigantes. Das geht aktuell so nicht mehr ohne Weiteres. Wegen Sicherheitsbedenken wurde der Zugang stark reglementiert. Man muss sich vorher anmelden, Helme tragen, und oft ist der Bootsanleger unten gesperrt, was heißt: Man muss wieder hochlaufen.

Das unterschätzen viele. Runter ist leicht. Hoch in der Mittagshitze? Das ist eine Tortur, wenn man nicht fit ist. 600 Höhenmeter knallhart bergauf. Informiert euch genau über den aktuellen Status der Schlucht, bevor ihr losfahrt. Oft ist es entspannter, das Dorf Masca einfach nur zu besichtigen und einen Kaffee mit Aussicht zu trinken – die Straße dorthin ist Abenteuer genug.

Immobilien und Auswandern?

Viele, die hier eine gute Tour machen, verlieben sich in die Insel und schauen dann beim Spaziergang verträumt in die Schaufenster der Makler. Das kennen wir nur zu gut. Falls ihr mit dem Gedanken spielt, nicht nur für zwei Wochen zu bleiben, schaut mal in unsere Sektion für Immobilien. Aber das ist ein Thema für sich – erst mal den Urlaub genießen.

Tipps zur Buchung (Lest das, bevor ihr bezahlt)

Hier noch ein paar Praxistipps, die euch Frust ersparen:

  • Wetter-App checken, aber die richtige. Das Wetter im Süden und Norden ist oft gegensätzlich. Wenn es in Adeje sonnig ist, kann es in La Laguna regnen. Plant Touren entsprechend.
  • Nicht alles am ersten Tag buchen. Lasst euch Luft. Vielleicht habt ihr nach drei Tagen Strand gar keine Lust mehr auf die Jeep-Safari, die ihr schon bezahlt habt.
  • Sprache ist meist kein Problem. Die großen Touren sind fast alle mehrsprachig (Deutsch, Englisch, Spanisch). Bei kleinen, privaten Anbietern fragt vorher nach, sonst versteht ihr bei der Inselrundfahrt nur Bahnhof.
  • Verpflegung ist so eine Sache. Bei den „All Inclusive“ Ausflügen ist das Essen oft… naja, Kantinenniveau. Nehmt euch lieber ein paar Snacks und Wasser mit, besonders wenn ihr mit Kindern unterwegs seid. Nichts verdirbt die Laune schneller als Hunger im Stau auf der Autobahn.

Fazit

Sucht euch ein oder zwei Highlights aus, die euch wirklich interessieren. Sei es der Teide bei Nacht, eine Wanderung im Anaga-Gebirge oder der Adrenalin-Kick im Siam Park. Versucht nicht, alles in eine Woche zu quetschen. Das Schöne an Teneriffa ist ja: Die Insel läuft nicht weg. Und die meisten kommen sowieso wieder.