Ganz ehrlich: Wer nach Teneriffa will, muss sich erstmal entscheiden, worauf er sich einlässt. 4.000 Kilometer sind es vom europäischen Festland bis hierher in den Atlantik. Das schwimmt man nicht mal eben. Die meisten von Ihnen werden im Flieger sitzen, das ist klar. Aber ich habe über die Jahre gelernt, dass die Anreise oft schon darüber entscheidet, wie entspannt die ersten Tage im Urlaub wirklich werden. Hektik am völlig überfüllten Süd-Flughafen? Oder doch lieber die lange, fast meditative Überfahrt mit der Fähre vom spanischen Festland, weil man den eigenen Camper dabei hat?
Ich lebe nun schon eine halbe Ewigkeit quasi zwischen Deutschland und den Kanaren und habe so ziemlich jede Route durch. Mal lief es wie am Schnürchen, mal stand ich nachts um zwei ohne Koffer in Santa Cruz. Damit Ihnen das erspart bleibt, dröseln wir das Thema Anreise und Verkehr hier mal ungeschminkt auf.
Flugzeug: Die klassische Anreise (und die Falle mit den zwei Flughäfen)
Es passiert immer noch, und jedes Mal tut es mir fast körperlich weh, wenn ich es höre: Leute buchen einen Flug nach „Teneriffa“, checken den Flughafencode nicht und landen im Norden, obwohl ihr Hotel im Süden liegt. Oder umgekehrt.
Teneriffa hat zwei internationale Flughäfen. Das ist Luxus für eine Insel, aber auch eine potenzielle Fehlerquelle.
Teneriffa Süd (TFS) – Reina Sofia
Das ist die Touri-Maschinerie. Wenn Sie einen Pauschalurlaub gebucht haben oder in die großen Zentren wie Los Cristianos, Las Américas oder Costa Adeje wollen, landen Sie zu 95% hier. Der Flughafen ist riesig, laut und ja, ein bisschen chaotisch. Der Wind pfeift hier unten im Süden fast immer über die Landebahn, also halten Sie den Hut fest, wenn Sie aussteigen (wobei man ja heute meistens durch den Finger läuft).
Von Frankfurt, München oder Düsseldorf sind Sie etwa 4,5 bis 5 Stunden in der Luft. Condor, Tuifly, Lufthansa, Eurowings und natürlich die Iren von Ryanair fliegen den Süden massiv an.
Teneriffa Nord (TFN) – Los Rodeos
Mein persönlicher Favorit, aber mit Tücken. Hier landen vor allem die Maschinen vom spanischen Festland und die Insel-Hüpfer (Binter, Canaryfly). Der Flughafen ist kleiner, entspannter und Sie sind ruckzuck in Puerto de la Cruz oder der Hauptstadt Santa Cruz. Aber: Er liegt auf rund 600 Metern Höhe. Das bedeutet Nebel. Oft. Es kommt nicht selten vor, dass man wegen schlechter Sicht nach Süden umgeleitet wird und dann doch wieder im Bus sitzt. Wenn Sie aber eine Immobilie im grünen Norden suchen oder dort wohnen, ist TFN unschlagbar.
Kleiner Tipp aus der Praxis: Vergleichen Sie die Flugpreise. Manchmal ist ein Iberia-Flug über Madrid nach Teneriffa Nord 150 Euro günstiger als der Direktflug in den Süden. Das gesparte Geld können Sie dann lieber in einen schönen Yachtausflug stecken.
Die Fähre: Nur für Leute mit Zeit (und gutem Magen)
Früher dachte ich, die Fähre nehmen nur Auswanderer, die ihren gesamten Hausstand im Transporter rüberkarrern. Stimmt aber nicht mehr ganz. Immer mehr Reisende wollen ihr eigenes Auto oder Wohnmobil dabei haben oder meiden das Fliegen aus Prinzip.
Es gibt zwei Haupthäfen in Südspanien, die Sie ansteuern müssen: Huelva oder Cádiz.
Die Überfahrt ist kein Zuckerschlecken. Wir reden hier von 30 bis 40 Stunden auf offener See. Sobald Sie das Mittelmeer verlassen und an der portugiesischen Küste Richtung Kanaren schippern, wird der Atlantik oft ruppig. Fred Olsen und Naviera Armas sind hier die Platzhirsche.
- Die Schiffe sind modern, ja. Es gibt WLAN (meistens langsam), Restaurants und Kabinen.
- Buchen Sie unbedingt eine Kabine. Eineinhalb Tage im „Pullman-Sitz“ (so nennen die das, im Grunde ist es ein besserer Kinosessel) sind die Hölle für den Rücken.
- Rechnen Sie Verspätungen ein. Der Atlantik interessiert sich nicht für Fahrpläne.
Der Moment, wenn morgens am Horizont der Teide aus dem Dunst auftaucht, entschädigt allerdings für vieles. Das ist ein Gänsehaut-Moment, den Ihnen kein Flugzeugfenster bieten kann.
Vom Flughafen zur Unterkunft: Mietwagen, Bus oder Taxi?
Okay, Sie sind gelandet. Wie geht’s weiter? Teneriffa hat zwar ein öffentliches Verkehrsnetz, aber seien wir ehrlich: Ohne Auto sind Sie hier oft aufgeschmissen, wenn Sie mehr als nur den Hotelpool sehen wollen.
Der Mietwagen: Buchen Sie bloss vorher!
Ich kann das gar nicht oft genug betonen. Wer glaubt, er könne einfach am Schalter von Cicar oder Autoreisen auflaufen und spontan was Günstiges kriegen, wird sein blaues Wunder erleben – besonders in der Hochsaison oder zu Ostern. Die Zeiten von „15 Euro am Tag“ sind vorbei, auch wenn sich die Preise langsam wieder normalisieren.
Suchen Sie sich Ihren Mietwagen online Wochen im Voraus aus. Achten Sie darauf, dass alle Kilometer inklusive sind und Sie eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung haben. Die Straßen hier sind eng, Parklücken noch enger, und die lokalen Fahrer… sagen wir, sie parken „nach Gehör“. Ein kleiner Kratzer ist schnell passiert.
Bus (Guagua) fahren wie ein Einheimischer
Auf den Kanaren heißt der Bus „Guagua“. Fragen Sie mich nicht warum, es ist einfach so. Das Netz der TITSA (die grünen Busse) ist erstaunlich gut. Besonders die Schnelllinien (die Nummern 110, 111, 343) verbinden Nord und Süd zuverlässig über die Autobahn.
Bargeld beim Fahrer? Können Sie fast vergessen oder ist teuer. Holen Sie sich am Automaten oder Kiosk die „Ten+ Karte“ (Travel Card). Da laden Sie 10 oder 20 Euro drauf und piepen sich im Bus einfach ein und aus. Das spart locker 30-40% gegenüber dem Einzelticket.
Taxi-Preise – damit Sie nicht umfallen
Taxis sind weiß und haben ein Taxameter. Soweit, so deutsch. Aber die Distanzen auf der Insel werden massiv unterschätzt. Vom Flughafen Süd nach Puerto de la Cruz im Norden sind es fast 90 Kilometer.
Eine Taxifahrt vom Flughafen Süd (TFS) nach:
- Los Cristianos / Las Américas: ca. 25 – 35 € (Das tut nicht weh)
- Los Gigantes: ca. 60 – 75 €
- Puerto de la Cruz: Rechnen Sie mit über 100 €, am Wochenende mehr.
Da haben Sie das Geld für den Mietwagen oft schon nach einer einzigen Fahrt raus.
Verkehr auf der Insel: Worauf Sie sich einstellen müssen
Wer auf Teneriffa Auto fährt, braucht manchmal starke Nerven, besonders wenn es in die Berge geht. Wenn Sie planen, zu den Startpunkten der großen Wanderungen im Anaga-Gebirge oder im Teno-Gebirge zu fahren, stellen Sie sicher, dass Sie Berganfahren beherrschen. Die Steigungen sind kein Witz.
Es gibt im Grunde eine große „Ringstraße“ (Autobahn TF-1 im Süden und Osten, TF-5 im Norden), die fast einmal um die Insel führt – nur im wilden Westen bei Masca ist sie unterbrochen. Die Autobahnen sind top ausgebaut, oft dreispurig.
Aber Achtung, die „Stau-Falle“:
Morgens zwischen 7:30 und 9:00 Uhr und nachmittags ab 16:00 Uhr steht der Norden still. Die TF-5 Richtung Santa Cruz ist dann ein einziger Parkplatz. Planen Sie Ihre Ausflüge drumherum, sonst verbringen Sie wertvolle Urlaubszeit im Abgasnebel.
Besonderheiten im Straßenverkehr
Die Einheimischen sind freundlich, aber Verkehrsregeln werden eher als „gut gemeinte Vorschläge“ interpretiert. Blinker werden überbewertet. Im Kreisverkehr (davon gibt es tausende!) gilt: Wer außen fährt, hat Vorfahrt, aber rechnen Sie damit, dass Ihnen jemand von ganz innen direkt vor die Nase zieht, um die Ausfahrt zu kriegen.
Zudem: Radarfallen. Die festen grauen Säulen kennt man, aber die Polizei (Guardia Civil) steht auch gerne mal mit mobilen Blitzern hinter einer Kurve, besonders auf den langen Geraden der Autobahn. Die Bußgelder sind saftig und kommen auch nach Deutschland nach.
Insel-Hopping: Warum nur Teneriffa sehen?
Wenn Sie schon mal hier sind, schauen Sie doch mal rüber. Bei gutem Wetter sieht man La Gomera so klar, als könnte man rüberschwimmen. Vom Hafen in Los Cristianos fahren die Fähren von Fred Olsen und Armas mehrmals täglich. Die Überfahrt dauert nur ca. 50 Minuten.
Für Unterkünfte auf den Nachbarinseln oder Tagestrips lohnt sich das definitiv. Gran Canaria ist mit der Schnellfähre von Santa Cruz aus in etwa 80 Minuten erreichbar. Das ist perfekt für einen Shopping-Trip, falls Ihnen die Läden auf Teneriffa irgendwann nicht mehr reichen.
Fazit
Die Anreise nach Teneriffa ist heute einfacher denn je, aber ein wenig Planung im Vorfeld spart Ihnen vor Ort Nerven und Geld. Mein Rat: Nehmen Sie den Mietwagen direkt ab Flughafen, meiden Sie die Rush-Hour im Norden und lassen Sie das Navigationsgerät auch mal aus, um die kleinen Straßen zu entdecken. Da findet man nämlich oft die besten lokalen Restaurants (Guachinches), die in keinem Reiseführer stehen.
Kommen Sie gut an!
