Wassersport auf Teneriffa: Tauchen, Surfen & Mehr

Man muss kein Prophet sein, um zu verstehen, warum Teneriffa im Grunde ein riesiger Spielplatz mitten im Atlantik ist. Schauen wir uns die Fakten an: Wir sitzen hier auf einem vulkanischen Felsen, die Wassertemperaturen fallen selbst im Februar selten unter 19 Grad, und der Passatwind bläst so zuverlässig, dass man fast die Uhr danach stellen kann.

Ich lebe jetzt seit Jahren hier und habe so ziemlich alles ausprobiert, was schwimmt, taucht oder über die Wellen gleitet. Eines vorweg: Der Atlantik ist nicht das Mittelmeer. Er hat mehr Wucht, mehr Salz und – wenn Sie mich fragen – deutlich mehr Charakter. Wer hier ins Wasser geht, sucht meistens mehr als nur eine Abkühlung. Egal ob Sie mit dem eigenen Board anreisen, eine Yacht chartern wollen oder einfach nur wissen möchten, wo man sich nicht sofort die Füße an Seeigeln aufschneidet – hier ist der echte Guide zum Wassersport auf der Insel, ohne beschönigendes Marketing-Bla-Bla.

Surfen und Kitesurfen: Wo der Wind wohnt

Wenn wir über Wassersport auf Teneriffa reden, kommen wir an El Médano nicht vorbei. Punkt. Wenn Sie am Flughafen Süd landen und das Flugzeug kurz vor der Landung nochmal kräftig durchgeschüttelt wird, dann liegt das an den thermischen Winden, die El Médano zum Mekka für Kitesurfer und Windsurfer machen.

Es ist eine fast schon eigene Welt dort. Die Atmosphäre ist extrem entspannt – viel Holz, viel Salz in der Luft, und jeder zweite läuft barfuß mit einem Neoprenanzug um die Hüfte durch die Gassen. Aber Vorsicht beim Einstieg ins Thema:

  • Der Wind ist hier keine laue Brise. An guten Tagen ballert es mit über 30 Knoten. Für Anfänger ist der Vormittag reserviert; sobald die Thermik mittags anspringt, sollten Sie wissen, was Sie tun, oder einen verdammt geduldigen Lehrer haben.
  • Die Aufteilung der Bucht ist strikt geregelt. Schwimmer links, Surfer in der Mitte, Kiter weiter draußen. Die Locals achten penibel darauf. Wer in die falsche Zone fährt, bekommt schnell eine sehr deutliche Ansage.
  • Material mieten ist absolut kein Problem. Es gibt an der Promenade gut ein Dutzend Stationen. Rechnen Sie mit etwa 20 bis 30 Euro pro Stunde für Top-Material, bei Wochenmieten wird’s deutlich günstiger.
  • Ein kleiner Tipp am Rande: Parken in El Médano ist am Wochenende ein absoluter Albtraum. Kommen Sie früh, oder parken Sie gleich oben am Ortseingang und laufen die zehn Minuten.

Wellenreiten im Süden und Norden

Während die Wind-Junkies in El Médano bleiben, ziehen die Wellenreiter meist nach Las Américas. Der Spot „La Izquierda“ (Die Linke) ist legendär, bricht über einem Riff und läuft lange und sauber. Aber hier ist die Realität: Es ist voll. Und mit voll meine ich, dass man teilweise Slalom um Surfschulen paddeln muss.

Wenn Sie schon sicher auf dem Brett stehen, schauen Sie sich Bajamar im Norden an. Dort ist die Stimmung rauer, das Wasser kühler und die Wellen haben mehr Power. Respekt vor den Locals ist hier oberste Währung. Grüßen Sie, warten Sie ab, drängeln Sie sich nicht vor. Das öffnet mehr Türen (und Wellen) als jedes teure Board.

Tauchen: Vulkanlandschaften statt bunter Korallengärten

Ich sage Tauchern immer: Erwartet kein Ägypten. Wir haben hier keine kilometerlangen, knallbunten Weichkorallen-Riffe. Was Teneriffa bietet, ist dramatische Architektur unter Wasser. Basaltsäulen, die wie Kathedralen aus der Tiefe ragen, Überhänge, Höhlen und Swim-Throughs. Das Vulkangestein schafft Strukturen, die man so sonst kaum findet.

Die Sichtweiten liegen oft bei über 30 Metern. Das Wasser ist so klar, dass man manchmal das Gefühl für die Tiefe verliert.

Was Sie unter Wasser definitiv treffen werden:

  • Schildkröten sind fast schon Standard, besonders in der Gegend um El Puertito oder Palm Mar. Die Tiere sind an Taucher gewöhnt, kommen oft sehr nah ran. Bitte trotzdem: Hände weg. Anfassen stresst die Tiere und überträgt Bakterien auf ihren Panzer.
  • Die eigentlichen Stars sind die Rochen. Wir nennen sie „Chuchos“. Es gibt Tauchplätze wie „Los Chuchos“ bei Las Galletas, da liegen die Stachelrochen stapelweise übereinander. Manche haben Spannweiten von anderthalb Metern. Es ist irre beeindruckend, wenn so ein „Teppich“ an dir vorbeifliegt.
  • Engelhaie. Vom Aussterben bedroht, aber hier auf den Kanaren haben sie einen Rückzugsort. Im Winter sieht man sie oft im Sand vergraben.

Ein wichtiger Hinweis zur Ausrüstung: Auch wenn das Wasser an der Oberfläche 22 Grad hat, kann es ab 20 Metern Tiefe frisch werden. Eine Sprungschicht ist nicht ungewöhnlich. Ich tauche das ganze Jahr über im 5mm Anzug, im Winter packe ich oft noch eine Eisweste drunter. Die „harten Jungs“ in Shortys frieren meistens schon beim Sicherheitsstopp.

Bootfahren & Yacht Charter: Den Atlantik selbst steuern

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Es gibt die typischen Ausflugsboote, wo Sie für 40 Euro drei Stunden lang mit Freibier und lauter Musik an der Küste entlangschippern. Kann man machen, ist oft lustig, hat aber mit echtem Wassersport wenig zu tun.

Viel spannender finde ich die Möglichkeit, selbst Kapitän zu spielen. Teneriffa hat eine hervorragende Infrastruktur für Yachtcharter und Bootsverleih.

Führerschein: Was brauche ich?

Das ist die häufigste Frage, die mir gestellt wird. Spanien ist da eigentlich recht klar geregelt, aber es gibt Grauzonen, die man kennen sollte:

Boote bis 15 PS dürfen Sie ohne Führerschein fahren. Das sind meist kleine Schlauchboote oder GFK-Nussschalen. Reicht, um mal in eine Bucht zu tuckern, aber bei Wellengang wird das schnell zur Nussschaukel.

Für alles, was Spaß macht (also mehr PS hat), brauchen Sie den „Sportbootführerschein See“ (aus Deutschland wird dieser problemlos anerkannt) oder die spanische „Licencia de Navegación“. Die Guardia Civil kontrolliert auf See. Und glauben Sie mir, mit denen wollen Sie nicht diskutieren, wenn die Papiere fehlen. Die Strafen sind gesalzen und fangen schnell im vierstelligen Bereich an.

Wenn Sie keinen Schein haben, aber trotzdem Luxus wollen: Chartern Sie mit Skipper. Das kostet meist um die 150 bis 200 Euro extra am Tag, aber dafür haben Sie jemanden, der das Boot kennt und – noch wichtiger – die geheimen Buchten, die nicht bei Google Maps markiert sind. Wenn Sie darüber nachdenken, dauerhaft hier zu bleiben, werfen Sie mal einen Blick in unsere Rubrik für Bootsverkäufe. Der Gebrauchtbootmarkt auf den Kanaren ist lebendig, und Liegeplätze sind im Vergleich zum Mittelmeer noch halbwegs bezahlbar, auch wenn die Wartelisten in Puerto Colón oder Los Gigantes lang sein können.

Hochseeangeln: Der Kampf mit dem Marlin

Big Game Fishing hat auf Teneriffa Tradition. Zwischen Mai und September zieht der Blaue Marlin hier durch. Das ist keine Angelei für Ungeduldige. Manchmal schleppt man acht Stunden lang Köder durchs blaue Nichts und fängt nichts außer einem Sonnenbrand.

Aber wenn die Rolle dann kreischt, brennt die Luft. Wir reden hier von Fischen, die gut und gerne 200 bis 300 Kilo wiegen. Die meisten seriösen Boote praktizieren „Tag & Release“ beim Marlin. Foto ja, Fisch in die Pfanne nein – der Bestand muss geschützt werden.

Wenn Sie eher auf das Abendessen aus sind: Thunfisch (Bonito, Big Eye) und Wahoo sind häufiger und dürfen meistens behalten werden. Ein halber Tag auf einem gut ausgerüsteten Boot kostet pro Person (geteilter Charter) um die 60-90 Euro, ein Privat charter für das ganze Boot liegt schnell bei 600 bis 1000 Euro. Achten Sie darauf, ob Getränke und Lizenzen inklusive sind.

Jet Ski, Parasailing & Co: Der schnelle Kick

Natürlich gibt es das volle touristische Programm. Puerto Colón im Süden ist die Zentrale dafür.

Jet Ski Safaris sind extrem beliebt. Man fährt in der Gruppe der Küste entlang bis nach Los Gigantes. Landschaftlich ist das der Hammer, weil Sie die riesigen Felswände vom Wasser aus sehen. Man fühlt sich verdammt klein dort unten.

Beachten Sie aber ein paar Dinge:

  • Es wird nass. Richtig nass. Nehmen Sie keine normale Kamera mit, es sei denn, Sie wollen ein teures Imodium für Salzwasserschäden kaufen. Eine GoPro am Brustgurt ist das Einzige, was Sinn macht.
  • Ihr Rücken sollte fit sein. Wenn Sie mit 60 km/h über die Wellen brettern, gibt es Schläge, die direkt in die Bandscheiben gehen. Wer da vorbelastet ist, sollte lieber Segeln gehen.
  • Vergleichen Sie die Preise. Die Promoter an der Strandpromenade haben oft Spielraum. „Zwei Jetskis für eine Stunde“ lässt sich fast immer verhandeln, besonders in der Nebensaison.

Wale und Delfine: Respekt ist Pflicht

Der Kanal zwischen Teneriffa und La Gomera ist voll von Grindwalen (Pilotwalen). Die leben hier stationär. Das ist weltweit ziemlich einzigartig. Wenn Sie selbst ein Boot mieten oder eine Tour buchen, achten Sie auf das „Barco Azul“ (Blaue Boot) Siegel. Das garantiert, dass der Anbieter die Abstandsregeln einhält.

Nichts ist peinlicher – und schädlicher –, als wenn zehn Boote eine Walfamilie einkreisen. Bleiben Sie auf Abstand, schalten Sie den Motor in den Leerlauf. Die Tiere sind neugierig und kommen oft von alleine. Ich hatte schon Momente auf dem Segelboot, wo die Delfine minutenlang in der Bugwelle gespielt haben, ganz ohne dass wir sie gejagt hätten. Das sind die Momente, für die man hier lebt.

Immobilien am Wasser

Da wir immer wieder gefragt werden: Ja, Wassersportnähe beeinflusst die Immobilienpreise auf Teneriffa massiv. Ein Apartment in El Médano, wo Sie das Surfboard im Keller lagern und zu Fuß zum Strand gehen können, ist Goldstaub. Gleiches gilt für Häuser mit privatem Anlegesteg (sehr selten) oder Nähe zu den Marinas. Wer den Lifestyle liebt, zahlt den Aufpreis – aber ganz ehrlich, den ersten Kaffee morgens mit Blick auf die Wellen zu trinken und den Wind zu checken, das ist fast unbezahlbar.

Fazit: Vorbereitung ist alles

Teneriffa bietet für jeden etwas, der Wasser mag. Aber unterschätzen Sie die Elemente nicht. Sonnencreme mit LSF 50 ist Pflicht (vergessen Sie LSF 20, die Sonne brutzelt hier senkrecht). Respektieren Sie die roten Flaggen an den Stränden – die Unterströmungen ziehen selbst Michael Phelps aufs Meer hinaus.

Packen Sie die Badehose ein, mieten Sie sich ein Board oder Boot und genießen Sie den Atlantik. Er ist wild, er ist schön und er wartet auf Sie.