Hand aufs Herz: Der Flug ist meistens der nervigste Teil am ganzen Urlaub. Man will eigentlich schon mit einem Cocktail in der Hand am Playa de las Teresitas liegen oder den Teide hochwandern, muss aber erst mal diesen 4,5 bis 5 Stunden langen Ritt in der „Ölsardinen-Klasse“ überstehen. Da wir hier auf der Seite aber nicht nur Traumhäuser und Yachten vermitteln, sondern wissen, wie das Reisen auf die Kanaren wirklich abläuft, reden wir mal Klartext über das Thema Flüge.
Es gibt nämlich himmelweite Unterschiede, ob man nun entspannt im Süden Teneriffas landet oder versehentlich im nebligen Norden strandet, ohne einen Mietwagen gebucht zu haben. Ich fliege die Strecke Deutschland–Kanaren seit gut fünfzehn Jahren mehrmals jährlich und habe dabei alles erlebt: von überraschenden Upgrades bis hin zu Koffern, die lieber in Madrid geblieben sind.
Der Flughafen-Check: Wo landen Sie eigentlich?
Wer „Teneriffa“ in die Suchmaske eintippt, kriegt oft zwei Optionen ausgespuckt: TFS und TFN. Das ist kein Detail, das man übersehen sollte. Der Unterschied entscheidet darüber, ob Sie nach der Landung 15 Minuten oder eine Stunde zum Hotel brauchen.
Die meisten Urlaubsflieger aus Deutschland steuern den Flughafen Teneriffa Süd (Reina Sofía) an. Das ist der Klassiker. Sie steigen aus, und meistens – außer es ist gerade „Calima“ (Sandsturm aus der Sahara) – schlägt Ihnen warme, trockene Luft entgegen. Von hier aus sind es nur kurze Wege zu den großen Touristenorten wie Los Cristianos oder Costa Adeje.
Aber Vorsicht bei Schnäppchen: Manchmal locken Airlines mit günstigen Tickets nach Teneriffa Nord (Los Rodeos). Der liegt bei La Laguna, direkt vor den Toren der Hauptstadt Santa Cruz. Klingt gut? Ist es auch, wenn Sie eine Finca im grünen Norden gemietet haben oder geschäftlich in die Hauptstadt müssen. Aber: Der Nordflughafen ist berüchtigt für seinen Nebel. Die Passatwolken bleiben hier gerne hängen. Ich saß schon mal stundenlang fest, weil die Maschine wegen Sichtweite null nicht runterkam.
Direktflug vs. Umstieg – lohnt sich der Stress?
Früher war es einfach: Charterflieger buchen, einsteigen, ankommen. Heute ist der Markt zersplittert. Wenn Sie Preise vergleichen, werden Sie oft Verbindungen über das spanische Festland (meist Madrid oder Barcelona) finden, oft mit Iberia oder Air Europa.
- Die Umsteige-Verbindungen sind oft 50 bis 80 Euro billiger als der Direktflug. Klingt erst mal gut.
- Aber rechnen Sie mal die Zeit: Ein Direktflug dauert knapp 5 Stunden. Mit Umstieg sind Sie locker 8 bis 10 Stunden unterwegs. Ist Ihnen ein Urlaubstag wirklich nur 50 Euro wert?
- Ein weiterer Aspekt ist das Gepäckrisiko. Jedes Umladen erhöht die Chance, dass Ihr Wanderrucksack oder das Surfbrett in Madrid „Adios“ sagt. Gerade wenn Sie spezielles Equipment für Wandertouren dabei haben, würde ich immer den Direktflug vorziehen.
Wann bucht man am besten? (Mythen und Realität)
Vergessen Sie diese alten Internet-Weisheiten wie „Dienstagnacht um 3 Uhr im Inkognito-Modus buchen“. Die Algorithmen der Airlines sind mittlerweile schlauer als wir alle zusammen. Trotzdem gibt es Muster, die sich Jahr für Jahr wiederholen.
Die Kanaren sind ein Ganzjahresziel, aber es gibt zwei absolute Preis-Explosionen: Weihnachten/Neujahr und Ostern. Da bezahlen Sie für einen simplen Economy-Sitz gerne mal so viel wie sonst für einen Langstreckenflug nach Asien. Wenn Sie nicht an Schulferien gebunden sind: Hände weg von diesen Terminen.
Die goldenen Fenster:
- Der Mai und Juni sind oft seltsam günstig. Die Wintersaison ist vorbei, die Sommerferien haben noch nicht begonnen. Das Wetter ist aber schon bombastisch.
- Der späte November (vor dem Adventswahnsinn) bietet oft Restplätze, weil viele Leute lieber im Dezember fliegen wollen.
- Last Minute funktioniert übrigens kaum noch so wie früher. Wer drei Tage vor Abflug bucht, zahlt meistens drauf. Der Sweetspot liegt meiner Erfahrung nach ziemlich genau 5 bis 7 Wochen vor Reiseantritt.
Airlines im Realitätscheck
Es hilft nichts, um den heißen Brei herumzureden: Der Flug auf die Kanaren ist Mittelstrecke, fühlt sich aber an wie Langstrecke ohne den Service. Hier ein ehrlicher Blick auf die üblichen Verdächtigen:
Die Ferienflieger (Condor, Tuifly):
Solide. Man hat oft noch 20kg Gepäck inklusive (genau aufs Ticket schauen!), und die Stimmung an Bord ist schon urlaubsmäßig. Aber erwarten Sie keine Beinfreiheit-Wunder. Wenn Sie größer als 1,85m sind, investieren Sie die 30 Euro Aufpreis für einen XL-Seat. Ihre Knie werden es Ihnen danken.
Die Low-Cost-Fraktion (Ryanair, Easyjet):
Sie bringen einen zuverlässig von A nach B, oft zu unschlagbaren Preisen. Aber man muss rechnen können. Wenn Sie Koffer, Sitzplatzreservierung und vielleicht noch ein Wasser an Bord dazurechnen, sind Sie oft beim gleichen Preis wie bei der Konkurrenz. Passt aber perfekt, wenn Sie nur mit Handgepäck reisen und in einem unserer möblierten Apartments wohnen, wo Handtücher und Co. schon da sind.
Die Linienflieger (Lufthansa, Eurowings):
Eurowings hat viele Strecken übernommen. Fühlt sich oft an wie ein Zwitter aus Billigflieger und Linie. Lufthansa fliegt teils auch direkt (z.B. von München), was beim Service manchmal – aber nicht immer – einen Tick besser ist.
Gepäck: Der Teufel steckt im Detail
Da wir hier oft Reisende beraten, die länger bleiben – etwa zum überwintern oder für Immobilienbesichtigungen –, ist das Gepäck ein Dauerthema. Die Kanaren sind steuerbegünstigtes Gebiet (Sonderstatus in der EU). Das ist super zum Einkaufen von Parfüm oder Zigaretten, heißt aber auch: Der Zoll schaut bei der Rückreise manchmal genauer hin.
Viel wichtiger ist aber das Thema Sportgepäck. Teneriffa ist ein Mekka für Wassersportler und Radfahrer. Wenn Sie eine Yacht chartern und eigene Ausrüstung mitbringen wollen oder Ihr teures Rennrad dabei haben: Melden Sie das sofort bei der Buchung an! Die Kapazitäten für Sperrgepäck sind begrenzt. Stehen Sie erst mal mit dem Radkoffer am Check-in ohne Anmeldung, wird es entweder extrem teuer oder das Rad bleibt in Deutschland.
Insel-Hopping: Von Teneriffa auf die Nachbarinseln
Vielleicht wollen Sie gar nicht nur auf Teneriffa bleiben. Viele unserer Kunden nutzen Teneriffa als Drehkreuz. Der Inselflugverkehr hier ist faszinierend gut organisiert. Es gibt im Wesentlichen zwei lokale Platzhirsche: Binter Canarias und Canaryfly.
Das Fliegen mit den kleinen ATR-Propellermaschinen ist ein Erlebnis für sich. Man fliegt relativ niedrig, sieht das Meer und die Vulkane der Nachbarinseln. Ein kleiner Insidertipp: Bei Binter gibt es (fast) immer einen kleinen Schokoriegel und Wasser umsonst, selbst auf dem 30-Minuten-Hüpfer nach Gran Canaria oder La Palma. Das hat einfach Stil.
Wichtig für Residenten oder Leute, die hier eine Immobilie gekauft haben und gemeldet sind: Sie bekommen 75% Rabatt auf Inselflüge und Fähren. Für Touristen gilt der volle Preis, der aber – wenn man früh bucht – oft auch nur bei 30 bis 50 Euro liegt.
Ankunft und Weiterreise
Sie sind gelandet, haben den Koffer (hoffentlich) und kommen aus dem Terminal. Atmen Sie erst mal tief ein. Dieser Geruch aus Kerosin und warmer Meeresluft ist der Startschuss.
Taxis stehen am TFS reichlich bereit, aber die Warteschlange kann lang sein. Wenn Sie einen Mietwagen gebucht haben: Die meisten Verleiher haben ihre Büros direkt im Terminal oder bieten Shuttle-Busse zu den Depots etwas außerhalb an. Letztere sind oft günstiger.
Für den Transfer zu spezielleren Orten oder wenn Sie mit einer größeren Gruppe für einen geführten Gruppenausflug anreisen, lohnt sich oft ein vorab gebuchter Privattransfer. Das spart das Feilschen und Suchen vor Ort, besonders wenn man nachts ankommt.
Fazit
Einen Flug nach Teneriffa zu buchen ist keine Raketenwissenschaft, aber es zahlt sich aus, nicht nur auf den nackten Preis zu starren. Achten Sie auf den Zielflughafen, gönnen Sie sich bei 1,90m Körpergröße Beinfreiheit und denken Sie beim Gepäck strategisch. Der Urlaub beginnt eigentlich erst, wenn Sie stressfrei aus dem Flieger steigen und den Teide fern den Horizont kratzen sehen.
