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Unterwegs auf der Insel: Mietwagen, Busse und Transfers

Gelandet am Flughafen Teneriffa Süd, die warme Inselbrise schlägt einem ins Gesicht, die Palmen wehen – und jetzt? Wie kommt man eigentlich vom Fleck? Ich lebe und arbeite nun schon eine ganze Weile hier und habe so ziemlich jedes Transportmittel durch, das Räder hat. Von klapprigen Mietwagen, die am Berg fast den Geist aufgeben, bis hin zu den grünen TITSA-Bussen, die einen für ein paar Cent quer über die Insel schaukeln.

Teneriffa ist groß. Größer, als viele beim Blick auf die Landkarte denken. Vom Süden in den Norden fährt man gut und gerne eine Stunde, und wenn man ins Anaga-Gebirge oder zum Teide hoch will, ist man teilweise Stunden unterwegs. Die Frage „Mietwagen oder Bus?“ ist hier nicht nur eine Budgetfrage, sondern entscheidet darüber, wie viel Freiheit du im Urlaub wirklich hast. Lass uns mal Tacheles reden, was wirklich Sinn macht.

Die Sache mit dem Mietwagen: Freiheit oder Stress?

Ich bin ganz ehrlich: Für mich ist ein Mietwagen auf Teneriffa fast Pflicht, wenn man mehr sehen will als den Hotelpool und die Strandpromenade. Die Insel hat Ecken, da fährt kein Bus hin – oder nur zweimal am Tag, und den letzten verpasst man garantiert.

Lokale Anbieter vs. die großen Markennamen

Hier machen Touristen oft den ersten Fehler. Sie buchen bei denselben Portalen wie zu Hause und landen bei den internationalen Riesen. Das kann man machen, muss man aber nicht. Auf den Kanaren haben wir zwei lokale Platzhirsche: Cicar und Autoreisen.

Warum ich die mag? Ganz pragmatisch:

  • Keine Kreditkarten-Blockierung von 1000 Euro Kaution (ein Segen, wenn das Urlaubsbudget nicht unnötig belastet werden soll).
  • Vollkasko ohne Selbstbeteiligung ist meistens schon im Standardpreis drin. Keine versteckten Haken, kein „Wollen Sie noch eine extra Reifenversicherung für 15 Euro am Tag?“ am Schalter.
  • Du kannst den Schlüssel oft einfach im Hotel oder am Hafen abgeben, ohne dass jemand mit der Lupe nach Kratzern sucht.

Ich hatte mal einen Platten oben in den Cañadas, mitten im Nirgendwo. Ein Anruf, und die Sache wurde extrem unkompliziert geregelt. Bei manchen Billig-Brokern, die dich mit 5-Euro-Tagespreisen locken, zahlst du am Ende für jeden Kratzer und für das Betanken extra drauf. Finger weg von Angeboten, die zu gut klingen, um wahr zu sein.

Welches Auto brauche ich wirklich?

Klar, der Fiat Panda ist billig. Und für die Fahrt zum Strand reicht er völlig. Aber hast du vor, nach Masca zu fahren oder die steilen Straßen im Norden von Puerto de la Cruz zu erkunden? Dann tu dir selbst einen Gefallen und nimm etwas mit ein bisschen mehr PS unter der Haube.

Teneriffa ist steil. Teilweise extrem steil. Ich stand schon mit einem schwachbrüstigen Kleinwagen an einer Ampel in Icod de los Vinos und musste mit angezogener Handbremse und Vollgas anfahren, um nicht rückwärts wieder runterzurollen. Wenn ihr zu viert seid, gilt das erst recht. Ein moderater Kompaktwagen ist hier Gold wert, vor allem wenn die Klimaanlage läuft (und die zieht auch Leistung).

Die „Guaguas“ – Busfahren auf Kanarisch

Wenn du Einheimische nach dem Bus fragst, frag nicht nach dem „Bus“. Frag nach der „Guagua“ (ausgesprochen: Wawa). Die grünen Busse der Gesellschaft TITSA sind das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs hier. Und ganz ehrlich: Das Netz ist überraschend gut.

Früher war Busfahren hier ein Abenteuer mit Bargeld und schlecht gelaunten Fahrern, die kein Wechselgeld hatten. Heute ist das moderner als in manchen deutschen Großstädten.

Wie das mit dem Bezahlen läuft

Vergiss Kleingeld rumkramen. Das geht zwar zur Not noch (aktuell bis max 10 oder 20 Euro Scheine, je nach Linie), ist aber teuer. Wer bar zahlt, zahlt den vollen Preis. Wer schlau ist, nutzt das digitale System:

  • Die Ten+ Karte gibt es an Kiosken und Busbahnhöfen. Aufladen, beim Einsteigen an den Sensor halten, beim Aussteigen wieder dranhalten. Fertig.
  • Noch besser: Die App Ten+ Móvil. Du lädst Guthaben auf dein Handy, generierst einen QR-Code und hältst den vor den Leser.
  • Der Clou dabei ist, dass die Fahrten deutlich günstiger werden. Eine Strecke von Puerto de la Cruz nach Santa Cruz kostet bar locker über 5 Euro, mit der Karte oft nur um die 3,50 Euro.

Wichtig: Immer beim Aussteigen wieder „auschecken“ (validieren). Sonst berechnet das System die Fahrt bis zur Endstation, und das kann bei den langen Linien wie der 343 teuer werden.

Die wichtigsten Linien für Urlauber

Man muss nicht den ganzen Fahrplan kennen, aber diese Nummern retten dir den Tag:

  • Die Linie 40, 111 oder der Express 711 (nachts) bringen dich vom Flughafen Süd zu den touristischen Zentren wie Los Cristianos und Costa Adeje.
  • Der 343 ist der magische Bus: Er verbindet Puerto de la Cruz im Norden direkt mit dem Flughafen Süd und Los Cristianos, ohne in Santa Cruz umzusteigen. Das dauert zwar ca. 90 Minuten, kostet aber nur einen Bruchteil eines Taxis.
  • Wer in den Nationalpark Teide will, muss früh aufstehen. Es gibt eigentlich nur eine Verbindung morgens hoch (Linie 348 von Puerto und 342 vom Süden) und nachmittags wieder runter. Verpasst du den Rückbus um 16:00 Uhr, hast du ein Problem. Ein echtes Problem.

Taxis und private Transfers: Wenn Bequemlichkeit vor Geldbeutel geht

Manchmal hat man einfach keine Lust, nach fünf Stunden Flug noch den Mietwagenschalter zu suchen oder mit Koffern zum Bussteig zu rennen. Taxis in Teneriffa sind weiß, meistens Mercedes und, im Vergleich zu Deutschland, noch halbwegs bezahlbar – zumindest auf Kurzstrecken.

Innerhalb von Orten wie Playa de las Américas zahlst du für eine Fahrt meistens zwischen 5 und 8 Euro. Das Taxameter ist Pflicht und wird auch benutzt (anders als in manchen anderen Urlaubsländern, wo man vorher verhandeln muss). Aber Vorsicht bei Langstrecken.

Eine Fahrt vom Flughafen Süd (TFS) nach Puerto de la Cruz im Norden kostet mit dem Taxi locker 100 bis 120 Euro. Da lohnt sich oft ein vorbestellter privater Transfer. Es gibt diverse Shuttle-Dienste (wie Hoppa oder lokale Anbieter), wo man sich einen Platz im Minibus buchen kann. Das dauert länger, weil diverse Hotels angefahren werden, kostet aber meist nur um die 15-20 Euro pro Person.

Mein Tipp: Wenn ihr eine Gruppe von 4-6 Leuten seid, bucht einen privaten Transfer vorab online. Das ist oft günstiger als zwei Taxis am Flughafen zu nehmen.

Der tägliche Wahnsinn auf der Autobahn

Falls du dich für den Mietwagen entscheidest, noch ein Wort zur Verkehrslage. Teneriffa hat ein gravierendes Problem: Es gibt zu viele Autos. Die Hauptverkehrsader ist die Autobahn, die fast einmal um die Insel führt (außer im rauen Nordwesten). Die TF-1 im Süden und die TF-5 im Norden.

Jeden Morgen zwischen 7:00 und 9:00 Uhr steht der Norden still. Von La Orotava bis La Laguna ist alles dicht. Das ist kein kleiner Stau, das ist Stillstand. Wenn du also einen frühen Flug ab Teneriffa Nord hast, fahr lieber 45 Minuten früher los als geplant. Dasselbe Spiel passiert nachmittags zwischen 14:00 und 17:00 Uhr in die andere Richtung.

Parken – ein Kapitel für sich

Im Süden (Costa Adeje, Las Américas) findest du meistens Parkplätze, oft in Tiefgaragen, die Geld kosten, oder mit etwas Glück an der Straße. Im Norden, speziell in Puerto de la Cruz oder Icod, ist Parken ein Kampfsport.

In Puerto de la Cruz gibt es die riesige Explanada am Hafen (beim Leuchtturm). Das ist ein riesiger, staubiger Schotterplatz. Parke dort. Versuch gar nicht erst, in die engen Gassen der Innenstadt zu fahren, außer du hast Nerven aus Stahlseilen. Es ist kostenlos, aber die „Gorrillas“ (selbsternannte Parkwächter) freuen sich über 50 Cent oder einen Euro Trinkgeld dafür, dass sie dir beim Einwinken helfen.

Versteckte Verkehrsregeln und Eigenheiten

Spanier fahren eigentlich recht rücksichtsvoll, aber zügig. Ein paar Dinge fallen auf:

  • Der Blinker ist für viele eher ein dekoratives Element. Besonders im Kreisverkehr. Verlass dich nie darauf, dass jemand wirklich rausfährt, nur weil er blinkt – oder umgekehrt.
  • Zebrastreifen sind heilig. Fußgänger gehen hier einfach los, oft ohne zu schauen. Als Autofahrer musst du bremsbereit sein. Wenn du nicht hältst, sind die Strafen empfindlich und die bösen Blicke der Locals sicher.
  • Die durchgezogene Linie überfahren? Mach das bloß nicht. Die Guardia Civil versteht da keinen Spaß, und die Strafzettel sind saftig.

Ein Wort zu Masca und dem Anaga-Gebirge

Diese Strecken sind atemberaubend schön, aber nichts für schwache Mägen oder unsichere Fahrer. Die Straßen sind oft nur einspurig, aber mit Gegenverkehr. Wenn dir ein Bus entgegenkommt, heißt es: Rückwärtsgang rein und bis zur nächsten Ausbuchtung zurücksetzen – und zwar am Abgrund (mit Leitplanke, immerhin). Wer hier Panik bekommt, blockiert den ganzen Verkehr. Wenn du dir unsicher bist, nimm für diese Touren lieber eine geführte Jeep-Safari oder den Bus. Die Busfahrer auf diesen Strecken sind wahre Helden am Lenkrad, denen vertraue ich blind.

Fazit: Was passt zu wem?

Also, wie bewegst du dich am besten fort?

Kommst du für einen reinen Strandurlaub und verlässt das Resort kaum? Dann spar dir das Mietauto. Nimm ein Taxi oder Shuttle zum Hotel und beweg dich vor Ort zu Fuß oder mal mit dem Taxi.

Willst du wandern, entlegene Strände wie Benijo sehen oder einfach flexible Sonnenuntergänge am Teide genießen? Dann kommst du um einen Mietwagen nicht herum. Buch bei den lokalen Anbietern, nimm ein Auto, das nicht untermotorisiert ist, und meide die Rush-Hour im Norden.

Für Budget-Reisende und Backpacker ist das Netz der TITSA-Busse absolut machbar, man braucht nur etwas mehr Zeit und die App auf dem Handy. Es ist eine entspannte Art zu reisen, man sieht viel von der Landschaft und kommt mit Einheimischen in Kontakt.

Teneriffa ist zu schön, um nur an einem Fleck zu bleiben. Egal wie – geht raus und erkundet die Insel!

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