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Traumstrände auf Teneriffa: Von Playa de las Teresitas bis El Médano

Ich sage es lieber gleich direkt: Wer „Strandurlaub“ hört und dabei sofort an endlose, puderzuckerweiße Karibikstrände denkt, wird auf Teneriffa erst mal einen kleinen Kulturschock erleben. Und das ist gut so. Teneriffa ist vulkanisch, rau, schwarz, wild und dann an manchen Ecken plötzlich doch karibisch-goldgelb – aber meistens mit ein bisschen Nachhilfe.

Über die Jahre, in denen ich hier gelebt und gearbeitet habe, habe ich hunderte Touristen gesehen, die mit den falschen Erwartungen an den Strand gegangen sind. Die dachten, Playa de las Teresitas wäre Natur pur (ist es nicht) oder man könne im Norden im Winter jeden Tag baden (naja, viel Glück). Teneriffa ist komplex. Es gibt hier nicht „den“ Strand. Es gibt schwarze Lavasand-Buchten, die einem die Fußsohlen verbrennen, wilde Surfer-Spots, wo der Wind einem das Sandwick ins Gesicht peitscht, und eben die Postkarten-Idylle.

Wir machen heute mal keine 08/15-Aufzählung aller 80 Strände der Insel. Wir schauen uns die an, die wirklich Charakter haben – angefangen beim Aushängeschild im Norden bis zum Wind-Mekka im Süden.

Playa de las Teresitas: Die „Fake“-Schönheit, die jeder liebt

Fangen wir im Nordosten an, in San Andrés. Wenn Sie Fotos von Teneriffas Stränden googeln, ist Teresitas meist das erste Bild. Goldgelber Sand, Palmen, türkisblaues Wasser, und im Hintergrund ragen die schroffen Anaga-Berge auf.

Hier ist der Haken, den Reisebüros oft vergessen zu erwähnen: Dieser Strand gehört hier eigentlich geologisch gar nicht hin. Teneriffa ist eine Vulkaninsel; der natürliche Sand ist schwarz oder dunkelgrau. In den 70er Jahren – 1973, um genau zu sein – hatten die Stadtväter von Santa Cruz es satt, dass die Hauptstadt keinen „schönen“ Strand hatte. Also wurden schätzungsweise vier Millionen Säcke Sand direkt aus der Sahara importiert.

Macht das den Strand schlechter? Absolut nicht. Es ist mein persönlicher Favorit für einen entspannten Sonntag, und zwar aus ganz praktischen Gründen:

  • Es gibt einen massiven Wellenbrecher draußen im Wasser. Das bedeutet: Kein Wellengang. Man schwimmt wie in einem riesigen Salzwasserpool. Perfekt, wenn man einfach nur treiben will oder kleine Kinder dabei hat.
  • Die Infrastruktur stimmt. Duschen, Umkleiden und vor allem die „Chiringuitos“ (Strandbars). Bestellen Sie sich Calamares und ein kaltes Dorada-Bier an Bude Nummer 4 oder 5 und schauen Sie dem Treiben zu.
  • Die Anfahrt ist ein Klacks. Von Santa Cruz nehmen Sie den Bus 910 oder fahren 10 Minuten mit dem Auto. Aber Vorsicht am Wochenende: Ab 11 Uhr wird der Parkplatz zum Tetris-Spiel für Fortgeschrittene.

Ein kleiner Insidertipp: Der Wind kommt hier oft vom Land herab. Wenn Sie sich wundern, warum trotz Sonne niemand am vorderen Ende liegt – der Sand peitscht dort. Gehen Sie weiter nach hinten durch, Richtung Ende des Strandes, da ist es oft windstiller.

El Médano: Wo der Wind regiert (und warum das cool ist)

Ein kompletter Szenenwechsel. Wir fahren in den Süden, kurz vor den Flughafen TFS. El Médano ist kein Ort für Leute, die ihre Frisur behalten wollen. El Médano ist der Ort, an dem sich die besten Kitesurfer und Windsurfer der Welt treffen. Und das spürt man an jeder Ecke.

Der Vibe hier ist völlig anders als in den Touristenhochburgen wie Los Cristianos oder Las Américas. Es ist jünger, alternativer, „hippie-esk“. Man sieht überall Boardshorts, sonnengebleichte Haare und VW-Busse.

Der Strand selbst – Playa de El Médano und der weiter südlich liegende Playa de la Tejita – besteht aus feinem, grau-beigem Sand. Es ist natürlicher Sand, vulkanischen Ursprungs, aber heller als im Norden. Das Wahrzeichen ist der Montaña Roja (Roter Berg), ein Vulkankegel, der bei Sonnenuntergang förmlich glüht.

Warum sollten Sie hierherkommen, wenn Sie gar nicht surfen?

  • Die Atmosphäre ist unschlagbar entspannt. Kein „Komm in mein Restaurant“-Geschrei wie an der Costa Adeje.
  • Sie können den Montaña Roja besteigen. Dauert etwa 30 bis 40 Minuten, ist machbar (festes Schuhwerk!), und der Blick von oben über den Flughafen und das Meer ist Wahnsinn.
  • An windstillen Tagen (selten, aber kommt vor) ist das Wasser seicht und herrlich.
  • Wenn der Wind bläst – und das tut er meistens – macht es einfach Spaß, den Kitesurfern bei ihren Sprüngen zuzusehen. Das ist besser als Fernsehen.

Aber mal ehrlich: Nehmen Sie keinen Sonnenschirm mit, außer Sie wollen ihn über den Strand jagen. Wenn der Passatwind, die „Alisios“, richtig aufdrehen, wird man sandgestrahlt. Klemmen Sie sich lieber in eine der kleinen windgeschützten Buchten oder setzen Sie sich ins Café „Flashpoint“ direkt an der Promenade.

Der wilde Norden: Playa de Benijo

Jetzt wird es abenteuerlich. Wer Teresitas zu künstlich und El Médano zu voll findet, muss nach Benijo. Aber die Anreise hat es in sich. Sie fahren durch das Anaga-Gebirge, Serpentinen ohne Ende, links der Abgrund, rechts der Fels. Mir wird beim Fahren selten schlecht, aber auf der Strecke nach Taganana und weiter nach Benijo muss man sich konzentrieren.

Benijo ist schwarz. Tiefschwarz. Und wild. Hier gibt es keinen Wellenbrecher, keine Rettungsschwimmer-Türmchen alle 50 Meter und keine Jetskis. Nur den Ozean, markante Felsnadeln (Roques de Anaga), die aus dem Wasser ragen, und oft gewaltige Wellen.

Zwei Dinge müssen Sie hier wissen:

Erstens: Schwimmen ist hier lebensgefährlich, wenn die Strömung ungünstig ist. Die Unterströmung zieht einen schneller raus, als man „Hilfe“ rufen kann. Gehen Sie nur so weit rein, wie Sie stehen können, es sei denn, Sie sind ein sehr, sehr erfahrener Schwimmer.

Zweitens: Die Gezeiten. Bei Flut ist der Strand fast weg. Bei Ebbe ist er riesig und spiegelt den Himmel auf dem nassen schwarzen Sand wie ein gigantischer Spiegel. Fotografen lieben diesen Ort zum Sonnenuntergang.

Nach dem Strandbesuch (oder dem Treppensteigen, denn man muss einige Stufen runter und wieder rauf) geht man oben ins Restaurant „El Mirador“. Einfache kanarische Küche, papas arrugadas, mojo picon, frischer Fisch – und ein Ausblick, für den man in anderen Ländern Eintritt zahlen müsste.

Die „Komfortzone“: Playa del Duque

Ich muss der Vollständigkeit halber auch die Costa Adeje erwähnen. Wenn Sie Luxus wollen, saubere Liegen, Schirme, die nicht wegfliegen, und Kellner-Service, dann ist Playa del Duque Ihre Adresse.

Es ist das genaue Gegenteil von Benijo. Alles ist manikürt. Der Sand ist hellgrau bis golden (auch hier wurde etwas nachgeholfen), das Wasser ist durch Molen beruhigt. Umgeben ist der Strand von 5-Sterne-Hotels. Das Publikum ist… sagen wir mal „gehobener“. Hier sieht man mehr Designer-Sonnenbrillen pro Quadratmeter als irgendwo sonst auf der Insel.

Ist es authentisch? Nein. Ist es bequem? Absolut. Manchmal will man ja genau das: Einfach auf einer gepolsterten Liege liegen, 20 Euro für Schirm und Liege zahlen (ja, es ist teuer hier) und seine Ruhe haben. Das Wasser ist glasklar und der Einstieg meist sehr sanft.

Ein Wort zum schwarzen Sand (und heißen Füßen)

Viele Touristen sind anfangs skeptisch gegenüber dem schwarzen Sand, wie man ihn an der Playa Jardín in Puerto de la Cruz oder an der Playa de la Arena im Süden findet. „Ist das dreckig?“ fragen sie.

Nein, es ist Lava. Und es hat einen entscheidenden physikalischen Vorteil und einen Nachteil.

Der Nachteil: Schwarz absorbiert Wärme. Im Hochsommer, wenn die Sonne im Zenit steht, wird dieser Sand unfassbar heiß. Wir reden hier von Temperaturen, bei denen man ohne Flip-Flops nicht zum Wasser rennen kann, ohne Verbrennungen zweiten Grades zu riskieren. Ich übertreibe nicht. Legen Sie Ihr Handtuch immer sofort hin.

Der Vorteil: Es ist heilend. Viele Einheimische schwören darauf, dass der mineralhaltige warme Sand gut gegen Rheuma und Gelenkschmerzen ist. Außerdem klebt der etwas grobkörnigere schwarze Sand oft weniger hartnäckig an der Haut als der feine weiße.

Was Sie sonst noch wissen müssen

Bevor Sie losfahren, hier noch ein paar Beobachtungen aus dem Alltag, die Ihnen den Tag retten können:

  • Unterschätzen Sie die UV-Strahlung nicht. Durch den kühlen Atlantikwind merkt man nicht, wie die Haut brutzelt. Wir sind hier auf dem Breitengrad von Florida/Sahara. Lichtschutzfaktor 30 ist das absolute Minimum, auch wenn es bewölkt aussieht.
  • Portugiesische Galeeren. Das sind diese lila-bläulichen Quallen-ähnlichen Dinger. Wenn Sie eine Flagge mit Quallen-Symbol sehen oder so ein Ding am Strand liegen sehen: Nicht anfassen. Auch tot brennen die noch wie Feuer. Im Frühjahr kommen die manchmal in Scharen vorbei.
  • Parken ist Krieg. Besonders im Süden. Sparen Sie sich die Nerven, direkt am Strand parken zu wollen. Fahren Sie zwei Straßen weiter nach hinten und laufen Sie fünf Minuten. Ihr Blutdruck wird es Ihnen danken.
  • Oben ohne ist völlig normal. Auf den Kanaren (und in Spanien allgemein) geht man sehr entspannt mit Nacktheit um. Niemand starrt, niemanden kümmert es. Seien Sie einfach so natürlich wie die Einheimischen.

Letztendlich ist der „schönste“ Strand auf Teneriffa Geschmackssache. Für mich ist es abends mit einem Bier in der Hand in El Médano zu sitzen und dem Wind zuzuhören. Für Sie ist es vielleicht das perfekte Instagram-Foto unter den Palmen von Teresitas. Probieren Sie einfach beide aus. Die Insel ist klein genug, um das an einem Tag zu schaffen – theoretisch.

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