Airlines für die Kanaren: Von Binter bis Charter

Ganz ehrlich: Der Flug ist meistens der Teil des Urlaubs, den wir alle einfach nur hinter uns bringen wollen. Niemand sitzt gerne viereinhalb Stunden in einer Röhre, außer vielleicht Piloten und Leute mit einem Upgrades in die Business Class. Aber wenn Sie zu uns auf die Inseln wollen – sei es für eine Woche im Ferienhaus auf Teneriffa oder weil Sie endlich diese Immobilie besichtigen möchten, die wir Ihnen rausgesucht haben – dann kommen Sie um den Flieger nicht herum. Die Zeit der Bananenfrachter, die Passagiere mitnahmen, ist leider (oder zum Glück) vorbei.

Als wir anfingen, Reisen und Services hier auf den Kanaren zu organisieren, war die Auswahl überschaubar. Heute? Ein Dschungel. Da gibt es die klassischen Charter, die Billigflieger, die Linienmaschinen über Madrid und natürlich unsere lokalen Helden. Ich habe in den letzten Jahren so ziemlich jede Route und jede Airline durchprobiert, mal mit Surfbrett unterm Arm, mal im Anzug für Notartermine. Hier ist also kein theoretischer Abriss, sondern das, was Sie wirklich erwartet, wenn Sie Kurs auf den ewigen Frühling nehmen.

Der Klassiker: Charter und Ferienflieger aus Deutschland

Für die meisten unserer Gäste fängt der Urlaub mit Condor, TUI oder Eurowings an. Das ist der Standard, und das aus gutem Grund. Diese Linien fliegen meist direkt. Sie steigen in Frankfurt, München, Düsseldorf oder Hamburg ein und steigen am Teneriffa Süd (TFS) oder Gran Canaria (LPA) wieder aus. Keine Zwischenstopps, kein Gepäck-Stress in Madrid.

Was mir dabei in den letzten Jahren aufgefallen ist: Die Grenzen verschwimmen. Früher gab es bei Charterflügen „alles inklusive“. Heute müssen Sie bei Condor und Co. genau hinschauen, welcher Tarif gebucht ist. Der nackte Flugpreis sieht oft sexy aus, aber wenn Sie dann 20kg Aufgabegepäck und die Sitzplatzreservierung dazu buchen, sind Sie schnell wieder beim alten Preis.

Ein paar Beobachtungen aus der Praxis:

  • Condor ist immer noch der Platzhirsch für viele deutsche Flughäfen. Die Maschinen sind meist gut gewartet, auch wenn die Beinfreiheit in der Economy gefühlt jedes Jahr um einen Zentimeter schrumpft. Wenn Sie größer als 1,85m sind, investieren Sie die paar Euro für den XL-Seat am Notausgang. Ihr Rücken wird es Ihnen danken.
  • Eurowings deckt inzwischen viele Strecken ab, die früher von Air Berlin (Gott hab sie selig) oder der Lufthansa direkt bedient wurden. Es ist solide, aber erwarten Sie keine Wunder beim Service, wenn Sie den Basic-Tarif gebucht haben. Da gibt es nicht mal ein Wasser umsonst.
  • Tuifly ist oft im Rahmen von Pauschalreisen gebündelt, aber auch einzeln buchbar. Meiner Erfahrung nach sind die oft sehr pünktlich, was bei den slots auf den kanarischen Flughäfen – besonders am windigen Teneriffa Süd – Gold wert ist.

Die „Geiz ist Geil“ Fraktion: Ryanair, EasyJet und Konsorten

Ich habe eine Hassliebe zu Ryanair, und ich wette, Ihnen geht es ähnlich. Manchmal bekommt man Tickets für 50 Euro hin und zurück. Das ist unschlagbar, besonders wenn man spontan für ein langes Wochenende zum Wandern in den Teide-Nationalpark fliegen will und nur Handgepäck dabei hat.

Aber Vorsicht: Wenn Sie bei uns eine Yacht chartern und mit Seesäcken, Ölzeug und schwerem Gepäck anreisen, ist der Preisvorteil oft schneller weg als ein Eis in der Sonne von Maspalomas. Die Gebühren für Gepäck, Priority Boarding (damit man sein Handgepäck überhaupt mit in die Kabine nehmen darf) und Check-in am Flughafen sind gesalzen.

Außerdem fliegen diese Airlines oft zu Zeiten, die weh tun. Abflug 06:00 Uhr morgens heißt, Sie müssen um 04:00 Uhr am Flughafen sein. Andererseits: Sie sind dann schon zum Mittagessen am Strand. Man muss abwägen. Ich nutze sie oft für kurze Geschäftstermine, wenn ich kein Gepäck brauche.

Der Insider-Tipp: Via Madrid mit Iberia oder Air Europa

Viele scheuen den Umstieg. „Das dauert mir zu lange“, höre ich oft, wenn wir Kunden für eine Immobilienbesichtigung einfliegen lassen. Aber hören Sie mir kurz zu: Es gibt Situationen, da ist der Umstieg in Madrid (MAD) ein Segen.

Erstens steuert Iberia meistens Teneriffa Nord (TFN – Los Rodeos) an. Wenn Ihr Ziel Puerto de la Cruz, La Laguna oder Santa Cruz ist, sparen Sie sich die einstündige Autofahrt vom Süden hoch. TFN ist viel entspannter, kleiner und man ist ratzfatz draußen. Außerdem sind die Verbindungen über Madrid oft die Rettung, wenn in den Ferien alle Direktflüge ausgebucht oder astronomisch teuer sind.

Der Haken? Das Terminal 4 in Madrid ist gigantisch. Sie brauchen gute Laufschuhe und sollten mindestens 90 Minuten Umsteigezeit einplanen. Wenn Sie rennen müssen, ist der Urlaubseffekt dahin.

Inselhüpfen: Binter Canarias & Canaryfly

Jetzt kommen wir zu meinem Lieblingsthema. Wer die Kanaren wirklich erleben will, bleibt nicht nur auf einer Insel. Vielleicht haben Sie ein Ferienhaus auf Teneriffa gebucht, wollen aber für zwei Tage rüber nach La Gomera oder La Palma zum Wandern. Oder Sie schauen sich ein Boot auf Gran Canaria an.

Hier kommen die lokalen Airlines ins Spiel: Binter Canarias und Canaryfly. Für uns Einheimische sind die grünen Flugzeuge von Binter fast wie Busfahren.

Das Besondere an Binter ist nicht nur die Taktung (die fliegen fast stündlich zwischen den Hauptinseln), sondern das Erlebnis. Man fliegt meist mit einer ATR-72. Ja, das sind Propellermaschinen. Ja, sie sind etwas lauter. Aber sie fliegen niedriger, und der Ausblick auf den Teide oder die Dünen von Maspalomas ist spektakulär.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Snack: Bei Binter bekommen Sie oft (nicht immer, aber oft) einen kleinen Schokoriegel und Wasser. Kostenlos. In Zeiten, wo man woanders für die Luft zum Atmen zahlen muss, fühlt sich dieser „Ambrosías Tirma“ Keks an wie purer Luxus. Fragen Sie mal einen Canario nach Tirma, und Sie sehen ein Lächeln.

  • Canaryfly ist meistens einen Tick günstiger als Binter, hat aber eine etwas kleinere Flotte. Wenn es um Pünktlichkeit geht, nehmen die sich beide nichts.
  • Wichtig für Residenten: Wir bekommen 75% Rabatt. Wenn Sie also planen, hier eine Immobilie zu kaufen und sich anzumelden (Empadronamiento), wird das Inselhüpfen spottbillig. Für Touristen gilt der volle Preis, der aber meistens immer noch fair ist (ca. 60–100 Euro return, je nach Buchungszeitraum).

Logistik und Gepäck: Was Sie wissen müssen

Da wir hier viele Aktivurlauber betreuen, ist das Thema Sondergepäck ein Dauerbrenner. Surfer, Radfahrer und Golfer aufgepasst: Die Regeln variieren extrem.

Bei den klassischen Ferienfliegern (Condor/Tuifly) ist die Anmeldung von Sportgepäck meistens unkompliziert, solange Sie es frühzeitig machen. „Frühzeitig“ heißt nicht am Schalter, sondern Wochen vorher. Die Laderäume sind begrenzt. Ich habe schon erlebt, dass Gruppen von Radfahrern am Schalter standen und die Räder nicht mitkamen, weil der Flieger voll war. Das ist der Super-GAU.

Wenn Sie Wanderausrüstung mitbringen: Wanderstöcke gehören in den Koffer, nicht ins Handgepäck! Die Sicherheitskontrolle am Flughafen sieht die Dinger als Waffen an. Glauben Sie mir, die Diskussion wollen Sie nicht führen, während das Boarding schon läuft.

Teneriffa Süd (TFS) vs. Teneriffa Nord (TFN)

Ich schneide das Thema kurz an, weil es oft Verwirrung stiftet.
TFS (Reina Sofia) ist der Touristen-Flughafen. Hier landet 90% des internationalen Verkehrs. Er liegt in der wüstenartigen Zone im Süden. Es ist fast immer windig dort. Wenn der Pilot die Maschine kurz vor der Landung nochmal kräftig korrigiert – keine Panik, das ist hier normal.

TFN (Los Rodeos) liegt im grünen Norden. Er ist berüchtigt für Nebel (die Passatwolken), aber das hat sich durch neue Landetechniken stark gebessert. TFN ist der Hub für das Inselhüpfen und den Verkehr zum spanischen Festland. Wenn Sie im Norden wohnen, versuchen Sie über TFN zu fliegen. Die Fahrt über die Autobahn TF-5 am Morgen oder Nachmittag ist nämlich oft ein einziger Stau.

Mein Fazit nach unzähligen Flugmeilen

Am Ende des Tages ist die Wahl der Airline eine Frage des Budgets und der Nervenstärke. Wenn Sie einen entspannten Start in Ihren Urlaub in einem unserer Ferienhäuser wollen, buchen Sie einen Direktflug mit einer etablierten Airline und gönnen Sie sich Gepäck. Der Urlaub ist zu kurz, um sich wegen 30 Euro über Koffergebühren zu ärgern.

Wenn Sie junge Abenteurer sind, die sowieso den ganzen Tag auf dem Surfbrett stehen: Nehmen Sie den billigsten Ryan-Flieger, ziehen Sie drei Pullover übereinander an, um Gepäck zu sparen, und investieren Sie das gesparte Geld lieber in gutes Essen hier vor Ort. Die Kanaren sind es wert, egal wie man herkommt.