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Familienurlaub auf Teneriffa: Ausflugsziele mit Kindern

Seien wir ehrlich: Wenn man an die Kanaren denkt, hat man oft dieses Bild von Pauschaltouristen und endlosen Hotelburgen im Kopf. Und ja, das gibt es auf Teneriffa. Massenhaft sogar, besonders im Süden. Aber wer glaubt, das sei alles, tut dieser Insel unrecht – gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist. Ich habe die „Insel des ewigen Frühlings“ jetzt schon mehrfach mit der ganzen Familie bereist, vom Kleinkindalter bis zum Teenager-Modus, und eines kann ich vorwegnehmen: Die Insel ist ein einziger riesiger Abenteuerspielplatz, wenn man weiß, wo man suchen muss. Und wie man die Touristenfallen umschifft.

Der Flug von Deutschland dauert gut vier bis fünf Stunden. Das ist für die Kleinen oft die absolute Schmerzgrenze, bevor das Tablet leer ist oder die Geduld am Ende. Aber es lohnt sich. Hier sind meine echten, ungefilterten Erfahrungen und Tipps für einen Familienurlaub auf Teneriffa, fernab von Hochglanzbroschüren.

Der ewige Kampf: Norden oder Süden?

Das ist die erste Entscheidung, die ihr treffen müsst, und sie bestimmt euren gesamten Urlaub. Teneriffa ist wie zwei verschiedene Welten auf einem Felsen.

Der Süden (Costa Adeje, Los Cristianos, Playa de las Américas) ist die Sonnenbatterie. Hier regnet es fast nie. Es ist trocken, karg, extrem touristisch und vollgepflastert mit Hotels. Aber: Ihr habt Sonnengarantie. Wenn ihr im Februar anreist und unbedingt Strandwetter braucht, müsst ihr hier hin. Punkt.

Der Norden (Puerto de la Cruz, La Orotava) ist grün, tropisch, üppig – und oft bewölkt. Die Einheimischen nennen das „Panza de Burro“ (Eselbauch), diese dichte Wolkendecke, die oft über dem Orotava-Tal hängt. Ich persönlich liebe den Norden, weil er „echter“ ist. Man hört mehr Spanisch auf der Straße, das Essen ist besser und günstiger. Aber mit Kindern, die nur in den Pool wollen, kann eine Woche Wolkenhimmel im November für Frust sorgen.

Mein Tipp: Mietet euch ein Auto. Ohne geht es auf Teneriffa kaum, besonders mit Kindern. Der öffentliche Bus (Titsa) ist zwar überraschend gut und grün, aber wollt ihr wirklich mit Kinderwagen und Strandtasche an der Haltestelle in der prallen Sonne warten? Ein kleiner Mietwagen kostet hier oft weniger als das Taxi vom Flughafen zum Hotel.

Die großen Attraktionen: Hype oder Pflicht?

Jeder Reiseführer knallt euch sofort den Loro Parque und den Siam Park um die Ohren. Sind sie das Geld wert? Schauen wir uns das mal genauer an, denn die Eintrittspreise reißen ein echtes Loch in die Urlaubskasse.

Loro Parque in Puerto de la Cruz

Ja, er ist teuer. Ein Familienticket kostet schnell so viel wie ein ganzer Wocheneinkauf. Und ja, man kann über Zoos und Schwertwalhaltung streiten. Aber rein objektiv betrachtet: Der Park ist extrem gut gemacht. Die Pflanzenvielfalt allein ist der Wahnsinn.

  • Geht früh hin. Wirklich früh. Um 10 Uhr stehen die Leute bis auf die Straße.
  • Nehmt euch Essen mit. Die Restaurants im Park sind okay, aber erwartungsgemäß teuer und oft überfüllt. Ein Picknick im Schatten bei den Gorillas ist entspannter.
  • Nutzt den kostenlosen „Loro Park Train“ (die gelbe Bimmelbahn) vom Plaza de los Reyes Católicos in Puerto. Die Kids lieben das Ding, und ihr spart euch den Fußmarsch.
  • Planet Penguin ist der Hammer. Echter Schnee, ein Fließband (Vorsicht, Stolperfalle im Dunkeln) und Hunderte Pinguine. Das kühlt auch schön runter, wenn es draußen 30 Grad hat.

Siam Park im Süden

Als „bester Wasserpark der Welt“ beworben. Ist er gigantisch? Absolut. Ist er stressig? Oh ja. Wenn eure Kinder noch sehr klein sind (unter 6 Jahren), überlegt es euch gut. Es gibt zwar die „Lost City“ für die Kleinen, die wirklich toll ist, aber der Park ist riesig und die Wege sind weit.

Ganz ehrlich: Wenn ihr in den Schulferien dort seid, kauft den Fast Pass. Es tut finanziell weh, in dem Moment hasst man sich dafür, aber wenn man sieht, wie Leute 60 Minuten für eine Rutsche anstehen, während man selbst in 5 Minuten durch ist, ist der Schmerz vergessen. Ohne Fast Pass schafft ihr im August vielleicht vier Rutschen am ganzen Tag. Mit Fast Pass seid ihr die Helden eurer Kinder.

Natur erleben: Vulkanlandschaften und Nebelwälder

Jetzt mal weg vom Kommerz. Teneriffa hat Natur zu bieten, die aussieht wie aus einem Dinosaurierfilm. Das kostet fast nichts und bleibt den Kindern oft länger im Gedächtnis.

Der Teide – Auf dem Dach Spaniens

Der höchste Berg Spaniens ist ein Muss, aber mit Vorsicht. Fahrt nicht einfach blind hoch. Die Straße ist kurvig – wenn eure Kinder schnell reisekrank werden (so wie meine Tochter), packt Tüten und Kaugummis ein.

Oben auf über 2000 Metern ist die Luft dünner und die Sonne aggressiver. Eincremen ist Pflicht, auch wenn es kühl wirkt! Und es ist kühl. Ich habe schon Leute in Flip-Flops und Tanktops gesehen, die oben bei 10 Grad und Wind gezittert haben wie Espenlaub. Packt Fleecejacken ein.

Die Seilbahn (Teleférico) müsst ihr Wochen im Voraus buchen. Spontan geht da gar nichts mehr. Und Achtung: Mit Babys oder Kleinkindern unter 3 Jahren sowie Schwangeren darf man aus gesundheitlichen Gründen (Höhenunterschied/Druckausgleich) oft gar nicht hochfahren. Checkt die aktuellen Bestimmungen auf der Website, bevor ihr Tickets kauft.

Anaga-Gebirge: Der Zauberwald

Wenn ihr im Norden seid, fahrt ins Anaga-Gebirge. Das ist Dschungel-Feeling pur. Fahrt zum „Cruz del Carmen“. Dort gibt es den „Sendero de los Sentidos“ (Weg der Sinne). Das Geniale daran: Ein Teil davon ist ein Holzsteg und komplett kinderwagenfreundlich! Man läuft durch einen uralten Lorbeerwald, es riecht nach Moos und feuchter Erde, und die Bäume bilden Tunnel über den Köpfen. In 20-30 Minuten ist man durch, also perfekt für kurze Aufmerksamkeitsspannen.

Strände: Sandburgen bauen ohne Stress

Teneriffa ist eine Vulkaninsel. Das heißt: Vielerorts schwarzer Sand. Finden Kinder super („Dreckiger Sand!“), aber Vorsicht: Schwarzer Sand heizt sich in der Sonne extrem auf. Man verbrennt sich wirklich die Fußsohlen. Badeschuhe sind hier kein modisches Verbrechen, sondern Notwehr.

  • Playa de las Teresitas (San Andrés): Der Klassiker bei Santa Cruz. Goldgelber Saharasand (importiert) und ein Wellenbrecher davor. Das Wasser ist spiegelglatt und flach – perfekt für Kleinkinder und Nichtschwimmer. Es gibt Palmen, Buden für Eis und Toiletten. Am Wochenende allerdings so voll wie die U-Bahn in Tokio.
  • El Médano: Eher was für Teenager oder Drachensteiger. Hier windet es fast immer. Wenn ihr entspannt liegen wollt, werdet ihr hier sandgestrahlt. Aber um Surfern zuzuschauen oder Drachen steigen zu lassen, ist es der beste Spot der Insel.
  • Playa Jardín (Puerto de la Cruz): Wunderschön angelegt vom Künstler César Manrique, mit schwarzen Sand und Gärten drumherum. Aber Achtung: Die Wellen können hier im Winter ruppig sein. Achtet unbedingt auf die Flaggen. Rot heißt hier wirklich: Nicht mal mit den Zehen rein. Die Unterströmung ist tückisch.

Wale gucken ohne schlechtes Gewissen

Zwischen Teneriffa und La Gomera tummeln sich fast immer Grindwale (Pilotwale). Es gibt hunderte Anbieter in Los Gigantes oder Puerto Colón. Bitte, tut mir einen Gefallen: Meidet die Partyboote mit lauter Musik und „Free Alcohol“-Versprechen, die die Wale jagen.

Sucht nach Booten mit der Zertifizierung „Barco Azul“ (Blaue Flagge mit Logo). Wir waren mal auf einem kleineren Segelboot mit maximal 10 Leuten. Kein Lärm, kein Stress. Der Kapitän hat den Motor ausgemacht und wir trieben einfach dahin, bis die Wale von selbst neugierig ans Boot kamen. Das ist ein völlig anderes Erlebnis als auf einem rappelvollen Katamaran, wo man sich um den besten Platz an der Reling prügeln muss. Die Wale sieht man eigentlich zu 99% – Delfine sind Glückssache, aber auch häufig.

Essen mit Kindern auf Teneriffa

Die kanarische Küche ist sehr kinderfreundlich. Jedes Restaurant hat „Papas Arrugadas“ – diese kleinen, runzligen Salzkartoffeln. Meine Kinder haben sich teilweise nur davon ernährt. Dazu gibt es Mojo-Saucen (rot und grün). Die rote Mojo kann scharf sein, lasst die Kinder erst vorsichtig probieren. Die grüne ist meistens mild (Koriander oder Petersilie).

In den typischen „Guachinches“ (einfache Lokale im Norden, oft in Garagen oder Weinbergen) gibt es Hausmannskost, es ist laut, wuselig und günstig. Da stört es niemanden, wenn das Kind mal schreit oder unter den Tisch kriecht. Das ist viel entspannter als in den steifen Hotelrestaurants.

Praktische Überlebens-Tipps

Niemand sagt einem diese Dinge vorher, aber sie retten den Tag:

  • Leitungswasser nicht trinken. Zähneputzen ist okay, aber zum Trinken kauft man die 5- oder 8-Liter-Kanister („Garrafas“) im Supermarkt. Das Chlor im Leitungswasser schmeckt furchtbar und kann empfindliche Kindermägen ärgern.
  • Die Sonne täuscht. Durch den Passatwind merkt man die Hitze nicht so. Man verbrennt schneller als man „Aloe Vera“ sagen kann. Lichtschutzfaktor 50 ist Pflicht, auch bei Bewölkung.
  • Apotheken („Farmacia“) erkennt man am grünen Leuchtkreuz. Die Versorgung ist top, man bekommt fast alles, was man aus Deutschland kennt, oft sogar dieselben Marken. Windeln und Babynahrung gibt es in jedem Supermarkt (HiperDino oder Mercadona), sind aber oft etwas teurer als zu Hause.
  • Mietet Kindersitze kritisch. Die Sitze bei den großen Autovermietern sind manchmal… naja, „gut genutzt“. Ich nehme mittlerweile oft eine Sitzerhöhung im Koffer mit oder checke den Sitz bei Übergabe ganz genau auf Sauberkeit und Funktion.

Teneriffa ist für mich einer der einfachsten und lohnendsten Orte für einen Familienurlaub in Europa. Es ist exotisch genug, um sich wie ein Abenteuer anzufühlen, aber sicher und europäisch genug, damit man keine Sorgen um die medizinische Versorgung oder Infrastruktur haben muss. Packt die Badehosen und die Wanderschuhe ein – ihr werdet beides brauchen.

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