Puerto de la Cruz: Urlaub im grünen Norden

Hand aufs Herz: Wenn Sie puren, ununterbrochenen Sonnenschein suchen, bei dem Sie schon beim Frühstück ins Schwitzen kommen, dann ist Puerto de la Cruz vielleicht die falsche Adresse für Sie. Fahren Sie lieber weiter runter nach Costa Adeje. Ich sage das meinen Kunden immer direkt zu Beginn, bevor wir überhaupt über Hotels oder Immobilien reden. Puerto ist anders. Es ist der grüne Norden. Und „grün“ kommt eben von einer Sache: Wasser. Oder zumindest Wolken.

Aber genau das ist der Grund, warum ich diesen Ort liebe und warum so viele Menschen, die einmal hier waren, immer wiederkommen – oder gleich ganz hierbleiben. Puerto de la Cruz ist keine künstliche Retortenstadt, die in den 70ern für Touristen aus dem Boden gestampft wurde. Hier lebten Fischer und Händler, lange bevor der erste Pauschalflieger landete. Man spürt das Geschichte, man sieht es an den alten kanarischen Holzbalkonen und man schmeckt es in den Restaurants, die nicht nur Schnitzel mit Pommes servieren.

Das Phänomen „Panza de Burro“ – und warum es ein Segen ist

Man kann nicht über Puerto schreiben, ohne das Wetter zu erwähnen. Die Einheimischen nennen es liebevoll „Panza de Burro“ (Eselbauch). Das ist diese dicke, graue Wolkendecke, die sich oft in den Sommermonaten über das Orotava-Tal legt. Klingt erstmal nicht nach Traumurlaub, oder? Aber hören Sie mir zu:

Im August, wenn der Süden der Insel bei 35 Grad vor sich hin brutzelt und die Klimaanlagen am Limit laufen, sitzen wir in Puerto bei angenehmen 26 Grad auf der Plaza del Charco. Die Wolken wirken wie ein natürlicher Sonnenschirm. Die UV-Strahlung kommt trotzdem durch (unterschätzen Sie das bloß nicht, ich habe schon genug „krebstrote“ Touristen gesehen, die dachten, ohne direkte Sonne braucht man keine Creme), aber die Luft ist atembar. Es ist ein mildes, fast schon tropisches Klima, perfekt für alle, deren Kreislauf die extreme Hitze nicht mitmacht.

Strandleben: Lavasand und Architektur-Kunst

Wenn Sie weiße Sandstrände wie in der Karibik erwarten, muss ich Sie enttäuschen. Hier ist alles vulkanisch. Schwarz. Und heiß.

  • Der Playa Jardín ist mein persönlicher Favorit, auch wenn der Sand in der Mittagssonne so heiß wird, dass man ohne Badelatschen bis zum Wasser rennen muss. César Manrique, der berühmte Künstler aus Lanzarote, hat diesen Strand entworfen. Es ist nicht einfach nur ein Strand; es ist ein Garten. Man liegt unter Palmen und exotischen Pflanzen, während hinter einem der Teide aufragt. Ein Tipp aus Erfahrung: Achten Sie auf die Flaggen. Die Unterströmung an der Nordküste ist tückisch. Wenn Rot ist, gehen Sie nicht rein. Punkt.
  • Dann gibt es da noch den Playa de Martiánez am anderen Ende der Stadt. Viel steiniger, rauer. Eher was für Surfer, die sich nicht an den Felsen stören.
  • Wer Salzwasser will, aber den Sand hasst, geht ins Lago Martiánez. Das ist für mich eines der genialsten Bauwerke auf den Kanaren. Wieder Manrique. Es ist ein riesiges Freibad-Areal, gefüllt mit gefiltertem Meerwasser direkt aus dem Atlantik. Es sieht aus wie ein weißer See inmitten von Vulkangestein. Das Wasser ist meistens frisch – um nicht zu sagen kalt – aber es belebt ungemein.

Mehr als nur Tourismus: Das echte Leben auf der Plaza

Was Puerto von Orten wie Las Américas unterscheidet, ist die Mischung der Menschen. Gehen Sie abends zur Plaza del Charco. Dort sehen Sie nicht nur Touristen in beiger Funktionskleidung. Sie sehen kanarische Opas, die Domino spielen und dabei lautstark diskutieren. Kinder rennen bis spät in die Nacht um den Kiosk in der Mitte. Es riecht nach gebratenen Calamares und starkem Kaffee. Hier pulsiert das Herz der Stadt.

Ich erinnere mich an einen Abend, als ich dort saß und einfach nur beobachtete. Neben mir eine Gruppe deutscher Wanderer, die ihre Route für den nächsten Tag planten, und direkt daneben eine lokale Familie, die einen Geburtstag feierte – inklusive Gitarre und Gesang. Niemand störte sich am anderen. Das ist Puerto. Eine Koexistenz, die man im Süden oft vergeblich sucht.

Wohnen und Immobilien: Ein paar ehrliche Worte

Da wir jahrelang auch im Immobilienbereich tätig waren, muss ich hier einen kurzen Exkurs machen, falls Sie mit dem Gedanken spielen, hier etwas zu kaufen oder für längere Zeit zu mieten.

Der Norden ist feucht. Das ist der Preis für die grüne Landschaft. Wenn Sie sich eine Wohnung ansehen, schauen Sie nicht nur auf den Meerblick. Schauen Sie in die Ecken der Schränke. Riechen Sie daran. Viele ältere Bauten in Puerto haben keine Heizung und schlechte Isolierung. Im Winter kann es in den Wohnungen klamm werden.

Ein weiterer Aspekt ist die Topografie. Puerto klebt am Hang. Viele der besten Anlagen – etwa im Ortsteil La Paz oder im Taoro-Park – liegen oben. Das bedeutet: Tolle Aussicht, aber Sie müssen jeden Tag den Berg rauf und runter, wenn Sie ins Zentrum wollen. Es gibt zwar Treppen und Wege, aber die gehen in die Waden. Klar, Taxis sind günstig, aber man sollte es auf dem Schirm haben, wenn man nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist.

Wer eine Immobilie auf Teneriffa sucht, speziell im Norden, sollte nach renovierten Objekten Ausschau halten, die moderne Fenster und vielleicht sogar eine kleine Heizung oder einen Entfeuchter haben. Das steigert die Lebensqualität im Winter enorm.

Kulinarik jenseits der Hotelbuffets

Bitte, tun Sie mir einen Gefallen: Buchen Sie maximal Halbpension, besser nur Frühstück. Die Gastronomie in Puerto und dem angrenzenden Orotava-Tal ist viel zu gut, um sie zu ignorieren. Wir reden hier nicht von den Touristenfallen mit den bebilderten Speisekarten direkt an der Promenade (obwohl man dort gut für ein Bier sitzen kann, um Leute zu gucken).

Fahren Sie ein Stück raus in die Hügel. Dort finden Sie die „Guachinches“. Ursprünglich waren das Garagen, in denen Winzer ihren Wein direkt verkauften und dazu einfaches Essen anboten, damit der Wein nicht so reinhaut. Heute sind es rustikale Lokale. Erwarten Sie keine Tischdecken. Aber erwarten Sie den besten Ziegenkäse, Kichererbsen-Eintopf (Garbanzas) und Fleisch vom Grill, das Sie je gegessen haben. Und die Rechnung wird Sie positiv überraschen.

Aktivitäten: Wandern im grünen Hinterland

Puerto de la Cruz ist das perfekte Basislager für Wanderer. Sie sind in fünfzehn Minuten mit dem Mietwagen oder dem Bus (die Titsa-Busse sind übrigens extrem zuverlässig und modern) oben im Orotava-Tal. Von dort aus führen Wege in die Corona Forestal – den Pinienwaldkranz – und weiter in den Teide-Nationalpark.

  • Die Luft in den Pinienwäldern ist unglaublich sauber. Es riecht intensiv nach Harz und feuchter Erde.
  • Für eine weniger anstrengende Tour empfehle ich den Küstenwanderweg „Rambla de Castro“. Er startet praktisch am Stadtrand in Los Realejos. Man läuft durch alte Bananenplantagen, sieht historische Wasserpumpwerke und hat permanent den Atlantik tosen hören.
  • Wer es ganz bequem will: Der Botanische Garten (Jardín de Aclimatación) in La Paz ist ein Muss. Er wurde schon im 18. Jahrhundert angelegt. Die riesige Würgefeige in der Mitte ist wahrscheinlich das meistfotografierte Baum-Monster der Insel.

Ein Wort zum Loro Parque

Man kommt nicht umhin, ihn zu erwähnen. Er ist der größte Arbeitgeber und Touristenmagnet der Stadt. Die Haltung von Orcas in Gefangenschaft wird zu Recht kritisch diskutiert, und da muss jeder seine eigene ethische Entscheidung treffen. Was man dem Park aber lassen muss: Die gärtnerische Gestaltung und das Engagement im Artenschutz für Papageien (die Loro Parque Fundación) sind weltweit führend. Wenn Sie hingehen, planen Sie den ganzen Tag ein. Das Gelände ist riesig.

Verkehr und Mobilität

Ein Auto in Puerto de la Cruz zu haben, ist Fluch und Segen zugleich. Segen, weil Sie flexibel sind. Fluch, weil Parkplätze Mangelware sind. An der Explanada beim Hafen gibt es einen riesigen Parkplatz, der oft voll ist – und Vorsicht vor den inoffiziellen Parkwächtern, die manchmal aggressiv Trinkgeld fordern. Ich parke oft etwas weiter oben an der Plaza de Europa und laufe lieber ein Stück.

Der öffentliche Busbahnhof ist gut vernetzt. Sie kommen von hier aus direkt zum Südflughafen (Linie 343, dauert ca. 90 Minuten) oder nach Santa Cruz. Für unsere Pauschalreisen-Kunden empfehlen wir oft, den Mietwagen nur tageweise zu nehmen, statt ihn zwei Wochen lang teuer im Hotelparkhaus stehen zu haben.


Fazit: Für wen ist Puerto de la Cruz?

Puerto ist für Sie, wenn Sie mehr wollen als nur am Pool liegen. Es ist für Leute, die abends gerne flanieren, die ein bisschen Kultur mögen und die keine Angst vor einer Wolke haben. Es ist ein Ort mit Seele. Wir haben über die Jahre so viele Kunden betreut, die im Süden angefangen haben und dann in den Norden „konvertiert“ sind, weil ihnen die Authentizität fehlte.

Es ist vielleicht nicht der Ort für den ultimativen Party-Urlaub und auch nicht für den reinen Strandbrater-Urlaub im Dezember. Aber für einen vielseitigen, kulinarisch spannenden und landschaftlich reizvollen Aufenthalt gibt es auf den Kanaren kaum eine bessere Basis.