Wenn man auf Teneriffa lebt oder auch nur regelmäßig hier Urlaub macht, kommt man an zwei Namen schlichtweg nicht vorbei: Loro Parque und Siam Park. Es ist fast schon egal, ob Sie in einer unserer Ferienwohnungen im grünen Norden sitzen oder in einer Villa in Adeje – früher oder später landet das Gespräch auf diesen beiden Giganten. Und ganz ehrlich? Das ist auch gut so.
Ich habe im Laufe der Jahre unzählige Besucher, Freunde und Familie in diese Parks geschickt oder begleitet. Ich habe gesehen, wie sich der Siam Park seit seiner Eröffnung 2008 entwickelt hat, und ich kenne die Ecken im Loro Parque, wo man noch etwas Ruhe findet, wenn die Hauptwege voll sind. Es sind nicht einfach nur „Freizeitparks“. Es sind Institutionen auf den Kanaren.
Aber lohnt sich der Hype? Ist das „Twin Ticket“ wirklich ein Schnäppchen oder nur Marketing? Und wie holt man das Beste aus einem Besuch raus, ohne den halben Tag in der Warteschlange zu verbringen? Lassen Sie uns mal Tacheles reden – von Inselkenner zu Besucher.
Der Loro Parque: Weit mehr als nur Papageien
Viele denken beim Namen „Loro Parque“ immer noch an eine kleine Papageienshow aus den 70ern. Das war der Anfang (1972, um genau zu sein), aber was Sie heute in Puerto de la Cruz erwartet, ist eine ganz andere Hausnummer. Wolfgang Kiessling hat hier ein Imperium geschaffen, das weltweit seinesgleichen sucht. Und ja, ich sage das nicht leichtfertig.
Der Park liegt im Norden, direkt am Rand von Puerto de la Cruz. Das Erste, was einem auffällt, wenn man durch das thailändisch angehauchte Dorf am Eingang läuft, ist die Vegetation. Es ist ein botanischer Garten, der zufällig auch Tiere beherbergt. Überall Orchideen, Palmen, Dschungelfeeling.
Die Highlights (und meine ehrliche Meinung dazu)
Man kann nicht über den Loro Parque sprechen, ohne die Orcas zu erwähnen. Die Orca Ocean Show ist beeindruckend, keine Frage. Wenn diese riesigen Tiere aus dem Wasser schießen, stockt einem der Atem. Es gibt immer wieder Diskussionen über die Haltung von Schwertwalen, und das ist ein komplexes Thema. Der Park leistet viel Forschungsarbeit und Aufklärung. Mein Rat: Schauen Sie es sich an, hören Sie den Trainern zu und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Die Verbindung zwischen Tieren und Pflegern wirkt auf mich sehr intensiv und respektvoll.
Dann ist da das Planet Penguin. Meiner Meinung nach das heimliche Highlight. Sie kommen aus der kanarischen Sonne in einen Eistunnel und stehen plötzlich in der Antarktis. Es schneit dort drinnen wirklich. Hunderte von Pinguinen, echtes Eis, null Grad. Der Aufwand, dieses Ökosystem auf einer subtropischen Insel zu betreiben, ist Wahnsinn. Beobachten Sie die Königspinguine mal eine Weile – es ist besser als jeder Fernseher.
- Die Katandra Treetops Voliere sollten Sie auf keinen Fall auslassen. Man läuft auf Hängebrücken oben in den Baumwipfeln, und die Vögel fressen einem fast aus der Hand. Für Kinder ist das oft spannender als die großen Shows.
- Die Quallen-Ausstellung „AquaViva“ ist fast schon hypnotisch. Klingt langweilig? Warten Sie ab, bis Sie vor den beleuchteten Röhren stehen. Farbenwechsel, meditative Musik – das totale Kontrastprogramm zum Trubel draußen.
- Wenn Sie Zeit haben, nehmen Sie an der „Discovery Tour“ teil. Das kostet extra (glaube um die 11-12 Euro), aber man kommt hinter die Kulissen, sieht die Wasserfilteranlagen (Klingt trocken? Ist aber Hightech pur) und lernt, wo das Futter herkommt. Für Technik-Nerds und Tierfans gleichermaßen spannend.
Logistik in Puerto de la Cruz
Parken ist so eine Sache. Es gibt einen Parkplatz, der kostet aber. Mein Tipp: Wenn Sie in Puerto wohnen, nutzen Sie den gelben „Bimmelbahn“-Express. Der ist kostenlos und fährt vom Plaza de los Reyes Católicos ab. Das spart Nerven und Parkgebühren. Und ja, nehmen Sie sich den ganzen Tag Zeit. Wer versucht, den Loro Parque in drei Stunden „abzuhaken“, wird nur gestresst sein.
Siam Park: Adrenalin in Reinkultur
Szenenwechsel. Wir fahren in den Süden, nach Costa Adeje. Hier steht der Siam Park, mehrfach zum besten Wasserpark der Welt gewählt. Und hier muss ich sagen: Die Auszeichnung stimmt. Ich war in Wasserparks in Florida und Dubai, aber der Siam Park hat eine Atmosphäre, die speziell ist. Alles ist im Thai-Stil gehalten, keine billigen Plastikrohre, die in der Gegend herumstehen, sondern alles in die Landschaft integriert.
Das Besondere hier: Das Wasser ist beheizt (25 Grad) und es ist Süßwasser. Wer schon mal nach einem Tag im Meerwasser-Park mit brennenden Augen und salzverkrusteter Haut nach Hause kam, weiß, was für ein Luxus das ist.
Für die Mutigen (und die, die es werden wollen)
Der Tower of Power ist das Wahrzeichen. 28 Meter fast senkrecht runter. Man rutscht durch ein Aquarium mit Haien und Rochen. Klingt super, aber hier ist die Realität: Sie sind so schnell, dass Sie die Haie gar nicht sehen. Sie haben Wasser im Gesicht und versuchen nur, die Badehose festzuhalten. Das Erlebnis ist der freie Fall, nicht die Fische. Trotzdem: Einmal muss man es gemacht haben.
Mein persönlicher Favorit ist aber die Singha. Das ist eher eine Wasser-Achterbahn. Man wird durch Wasserstrahl-Antrieb bergauf geschossen. Das Ding ist unfassbar schnell, macht irre Spaß und die Kurven sind heftig. Hier sind die Schlangen oft lang, aber es lohnt sich.
Entspannung und Familie
- Der Mai Thai River ist nicht einfach nur ein Lazy River. Er hat Abschnitte, die richtig schnell sind, und einen Lift, der einen samt Reifen nach oben transportiert. Tipp: Lassen Sie sich am Ende nicht zum Ausgang leiten, sondern nehmen Sie die Abzweigung zur Rutsche, die unter dem Haifischbecken durchführt. Da sieht man die Haie nämlich wirklich, weil man langsam treibt.
- Der Siam Beach hat Wellen, die bis zu 3 Meter hoch werden können. Das ist kein Witz. Wenn der Gong ertönt, rennen alle ins Wasser. Seien Sie vorsichtig mit kleineren Kindern, die Kraft des Wassers wird hier oft unterschätzt.
- Lost City ist der Bereich für die Kleinen. Ehrlich gesagt, ich kenne Familien, die den ganzen Tag nur dort verbracht haben, weil die Kinder nicht mehr weg wollten. Das Wasser ist dort etwas wärmer, und es ist sicher.
Das Twin Ticket: Lohnt sich das?
Kurze Antwort: Ja. Wenn Sie vorhaben, beide Parks zu besuchen, sparen Sie mit dem Twin Ticket merklich Geld im Vergleich zu den Einzelpreisen. Aktuell liegt der Preisvorteil bei etwa 10–15 Euro pro Person, je nach Saison und Angebot.
Aber hier ist der wirkliche Vorteil, den kaum einer bedenkt: Flexibilität. Sie müssen den zweiten Park nicht am nächsten Tag besuchen. Sie haben 15 Tage Zeit. Das nimmt enorm den Druck raus. Machen Sie Loro Parque am Anfang des Urlaubs im Norden, dann ein paar Tage Strand oder Wandern, und dann den Siam Park im Süden. Die Tickets werden oft per Fingerabdruck scan am Eingang personalisiert, also nicht versuchen, das Ticket an den Kumpel weiterzugeben.
Praktische Tipps aus dem Nähkästchen
Als jemand, der diese Parks öfter sieht als seine eigene Verwandtschaft, hier ein paar Dinge, die nicht im Flyer stehen:
Essen und Trinken
In beiden Parks ist das Essen okay, aber „Freizeitpark-Preise“ sind halt Standard. Es ist nicht überteuert, aber auch kein Schnäppchen. Ein Burger-Menü oder Thai-Nudeln im Siam Park sind essbar. Die gute Nachricht: Sie dürfen eigene Verpflegung mitbringen! Zumindest Wasser und kleine Snacks (Obst, Brote). Im Siam Park kontrollieren sie die Taschen manchmal genauer auf Glasflaschen (verboten!), aber Picknick ist meist toleriert, solange man es nicht übertreibt. Im Loro Parque gibt es Picknick-Bereiche.
Der „Fast Pass“ im Siam Park
Im Hochsommer (Juli/August) oder in den Schulferien ist der Siam Park voll. Richtig voll. Wenn Sie es sich leisten können, kaufen Sie den Fast Pass. Er ist teuer (oft teurer als der Eintritt selbst), aber wenn Sie statt 60 Minuten nur 5 Minuten an der Singha oder dem Dragon warten, ändert das den Tag komplett. Wenn Sie früh morgens kommen (vor 10 Uhr da sein!), schaffen Sie die Top-Rutschen oft noch ohne Pass in der ersten Stunde.
Kleidung und Ausrüstung
Im Siam Park: Wasserschuhe (Badeschuhe). Unbedingt. Der Boden heizt sich im Süden extrem auf, und Sie laufen viel. Barfuß wird das zur Tanzveranstaltung auf heißem Asphalt. Man kann sie dort kaufen, aber die kosten das Dreifache wie im Supermarkt draußen.
Im Loro Parque: Zwiebelprinzip. Der Norden kann morgens bewölkt und kühl sein, mittags brennt die Sonne. Bequeme Schuhe sind Pflicht, man läuft einige Kilometer.
Die beste Besuchszeit
Sonntags ist Bettenwechsel auf Teneriffa. Viele Urlauber kommen an oder fliegen ab. Daher sind Sonntage oft etwas ruhiger in den Parks als beispielsweise der Dienstag oder Mittwoch. Auch Freitage können gut funktionieren.
Mein Fazit
Sind Loro Parque und Siam Park Touristenfallen? Nein. Sie sind touristische Hotspots, ja, aber die Qualität rechtfertigt den Andrang. Der Loro Parque ist ein zoologischer Garten auf Weltklasse-Niveau mit einem Fokus auf Artenschutz, den man spürt. Der Siam Park ist schlichtweg ein architektonisches Meisterwerk mit hohem Spaßfaktor.
Wenn Sie Ihren Urlaub auf Teneriffa planen, gehören diese zwei Stationen eigentlich zum Pflichtprogramm – zumindest, wenn Sie auch nur einen Funken Freude an Tieren oder Wasser haben. Buchen Sie das Twin Ticket online, seien Sie früh da und lassen Sie sich einfach mal treiben. Es lohnt sich.
