Mietwagen auf Teneriffa: Preise vergleichen & buchen

Wer schon einmal versucht hat, mit dem Bus (oder wie die Einheimischen hier sagen: „Guagua“) vom Südflughafen zu einer abgelegenen Finca im Anaga-Gebirge zu kommen, weiß genau, wovon ich rede. Es ist machbar, sicher. Aber es ist ein Abenteuer, das man nicht unbedingt mit Koffern und nach vier Stunden Flug erleben will.

Teneriffa ist groß. Größer, als es auf der Landkarte aussieht. Das liegt nicht nur an den Kilometern, sondern an der Topografie. Zwischen der Küste und dem Teide-Nationalpark liegen Welten – und vor allem Höhenmeter. Ein Mietwagen ist hier eigentlich kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit, wenn Sie mehr als nur den Hotelpool und den nächstgelegenen Strand sehen wollen.

Als jemand, der hier seit Jahren über die Insel kurvt – von den schnurgeraden Autobahnen im Süden bis zu den nervenaufreibenden Serpentinen bei Masca –, kann ich Ihnen ein paar Dinge verraten, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Vergessen Sie die glattgebügelten Ratschläge. Hier geht es um Schlaglöcher, PS am Berg und warum das billigste Angebot im Internet Sie am Ende doppelt kosten kann.

Der Mietwagen-Markt auf den Kanaren: Ein Sonderfall

Das Erste, was Ihnen auffallen wird (und was den Geldbeutel freut): Mietwagen sind auf Teneriffa im europäischen Vergleich spottbillig. Zumindest meistens. Das liegt unter anderem an den steuerlichen Sonderregeln der Kanaren (keine MwSt., sondern die reduzierte IGIC) und daran, dass Benzin hier immer noch deutlich günstiger ist als auf dem Festland.

Aber Vorsicht bei der Buchung. Es gibt hier zwei Welten.

Auf der einen Seite stehen die großen internationalen Broker und Billiganbieter. Sie locken mit Preisen von 5 oder 10 Euro pro Tag. Klingt super, oder? Der Haken kommt am Schalter: Plötzlich müssen Sie eine Kautionsversicherung für 150 Euro abschließen, weil Ihre Kreditkarte angeblich nicht den „richtigen Typ“ hat, oder Sie zahlen für eine Tankfüllung zu überhöhten Preisen. Ich habe schon Leute am Schalter von Goldcar fast weinen sehen.

Auf der anderen Seite gibt es die lokalen Platzhirsche. Cicar (Canary Islands Car) und Autoreisen sind hier Institutionen. Fragen Sie irgendeinen Residenten, und die Antwort wird fast immer einer dieser beiden Namen sein. Warum? Weil die Preise, die Sie online sehen, meist Endpreise sind. Vollkasko ohne Selbstbeteiligung ist oft schon drin, Zusatzfahrer kosten nichts extra, und Kindersitze gibt’s gratis dazu. Die Autos sind vielleicht nicht immer brandneu (manchmal hat der Opel Corsa schon 60.000 km runter), aber die Abwicklung ist fair und stressfrei.

Wenn Sie also zu einer unserer Ferienunterkünfte fahren wollen, ohne vorher BWL studiert zu haben, um den Mietvertrag zu verstehen: Schauen Sie sich zuerst die lokalen Anbieter an.

Welches Auto brauche ich wirklich? (Es kommt auf die PS an)

Ganz ehrlich: Sparen Sie nicht an der falschen Stelle. Ich sehe immer wieder Touristen, die sich den kleinsten Fiat 500 oder Panda mieten, um Geld zu sparen. In Playa de las Américas mag das cool aussehen. Aber Teneriffa ist im Grunde ein riesiger Vulkan, der aus dem Meer ragt.

Stellen Sie sich vor: Sie sind zu viert, der Kofferraum ist voll mit Wanderausrüstung für Ihre geplanten Wandertouren im Teide-Nationalpark, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren, weil es draußen 30 Grad sind. Und dann fahren Sie die Straße von Los Gigantes hoch Richtung Santiago del Teide.

Mit einem 1.0-Liter-Motor werden Sie im ersten Gang den Berg hochkriechen, der Motor brüllt, und die Einheimischen hängen Ihnen genervt im Kofferraum. Tun Sie sich das nicht an.

  • Nehmen Sie mindestens die Kompaktklasse (Typ VW Polo, Opel Corsa), aber achten Sie auf die Motorisierung. Ein bisschen Turbo hilft am Berg enorm.
  • Wenn Sie unsicher beim Schalten am Berg sind (und wir reden hier von echten Steigungen, wo Anfahren mit Handbremse Pflicht ist), buchen Sie Automatik. Das entspannt das Fahren auf den kurvigen Bergstraßen ungemein.
  • Ein Cabrio? Klingt romantisch. Ist aber oft unpraktisch. Im Süden brennt Ihnen die Sonne auf den Kopf (Sonnenstich-Gefahr im Stau), im Norden regnet es gerne mal kurz, und auf dem Teide ist es so windig und kalt, dass Sie das Verdeck eh schließen. Ein Cabrio lohnt sich nur für entspannte Küstenfahrten am Abend.

Fahren auf Teneriffa: Ein kleiner Überlebensguide

Der Verkehr hier ist… speziell. Die Tinerfeños sind im Grunde entspannte Fahrer, sehr höflich, sie lassen einen oft rein. Aber es gibt Regeln, die nirgendwo stehen.

Der Kreisverkehr-Wahnsinn

In Deutschland lernt man: Rechts fahren, blinken beim Rausfahren. Hier werden Kreisverkehre oft zweispurig interpretiert, auch wenn keine Spuren da sind. Die Einheimischen nutzen die äußere Spur fast ausschließlich, um die nächste Ausfahrt zu nehmen oder gleich die ganze Runde außen zu bleiben. Schneiden Sie niemals von innen direkt nach außen, ohne extrem genau in den toten Winkel zu schauen. Dort ist garantiert ein Taxi.

Die Autobahnen (TF-1 und TF-5)

Die TF-1 im Süden ist breit und entspannt. Die TF-5 im Norden ist die Lebensader und der Herzinfarkt der Insel. Morgens zwischen 7:00 und 9:00 Uhr Richtung Santa Cruz? Stau. Nachmittags ab 16:00 Uhr Rückweg? Stau. Wenn Sie Ausflüge von Ihrer Immobilie im Norden planen, fahren Sie antizyklisch. Glauben Sie mir, im Stau bei 25 Grad zu stehen, macht auch mit Meerblick keinen Spaß.

Bergstraßen und das Hupen

Auf den engen Straßen im Teno-Gebirge oder im Anaga-Gebirge wird es eng. Wenn Sie um eine unübersichtliche Kurve fahren, hupen Sie kurz. Das ist hier kein Zeichen von Aggression, sondern eine Vorsichtsmaßnahme: „Achtung, hier komme ich!“ Wenn Ihnen ein Linienbus entgegenkommt: Anhalten, Platz machen, notfalls zurücksetzen. Der Busfahrer hat Vorfahrt – einfach physikalisch, weil er größer ist und seinen Fahrplan hat.

Parken: Blau, Weiß, Gelb und der Abschleppwagen

Das Parken ist in den Touristenzentren wie Puerto de la Cruz oder Los Cristianos oft ein Glücksspiel. Achten Sie penibel auf die Farbmarkierungen am Bodenrand.

  • Weiße Linien sind der Jackpot. Hier parken Sie kostenlos. Wenn Sie so eine Lücke in Santa Cruz finden, geben Sie sie nie wieder her.
  • Blaue Linien bedeuten bezahlen. Suchen Sie den Automaten. Die sind oft billiger als in Deutschland, aber die Kontrolleure sind flink wie Wiesel.
  • Gelbe Linien am Bordstein heißen: Absolutes Halteverbot. Parken Sie hier niemals, auch nicht „nur kurz“. Die Abschleppdienste („Grúa“) sind auf Teneriffa ein florierendes Geschäftsmodell. Das Auto auszulösen kostet Zeit, Nerven und schnell mal über 100 Euro.

Ein Tipp für den Norden: In Städten wie La Orotava oder Puerto de la Cruz nutze ich fast immer Parkhäuser. Die Straßen sind oft so eng und steil, dass Einparken zur Millimeterarbeit wird. Und Kratzer im Mietwagen will ja keiner riskieren, auch wenn die Versicherung gut ist.

Versicherung und das „Schotter“-Problem

Standardversicherungen decken meist Karosserie und Diebstahl ab. Aber Teneriffa ist eine Vulkaninsel. Sobald Sie die Hauptstraßen verlassen – etwa um zu einem abgelegenen Strand zu fahren oder den Startpunkt einer unserer empfohlenen Touren zu erreichen – ändert sich der Belag.

Scharkantige Lavasteine sind der Tod für Reifen und Unterboden. Viele Vermieter schließen Schäden an Reifen, Glas und Unterboden im Standardvertrag aus. Prüfen Sie das genau. Wenn Sie vorhaben, auch mal einen Forstweg zu nehmen (was oft nötig ist für gute Wanderstarts), investieren Sie die paar Euro extra für eine Glas- und Reifenversicherung. Ein platter Reifen mitten in den Cañadas ohne Handyempfang ist kein Spaß.

Tanken und Rückgabe

Tankstellen („Gasolineras“) gibt es genug, aber Vorsicht im Teide-Nationalpark – dort oben gibt es keine einzige Tankstelle! Tanken Sie voll, bevor Sie hochfahren. Viele Tankstellen haben noch Tankwarte. Bleiben Sie einfach sitzen, sagen Sie „Lleno, por favor“ (Voll, bitte) und geben Sie dem Mann den Schlüssel für den Tankdeckel.

Die meisten seriösen Vermieter arbeiten mit der „Full-to-Full“-Regel. Sie übernehmen voll, Sie geben voll zurück. Das ist fair. Hüten Sie sich vor „Full-to-Empty“, wo Sie die erste Tankfüllung beim Vermieter kaufen müssen (meist überteuert) und den Wagen leer zurückgeben dürfen. Man schafft es nie, den Tank punktgenau leer zu fahren, also schenken Sie dem Vermieter immer Sprit. Reine Abzocke.

Fazit: Freiheit auf vier Rädern

Ohne Auto entgeht Ihnen das Beste an Teneriffa. Die Fahrt durch die eukalyptusgesäumten Alleen im Esperanza-Wald, der Moment, wenn man über die Wolkendecke bricht auf dem Weg zum Teide, oder der spontane Abstecher zu einem Guachinche (diese einfachen, genialen Lokale mit Hauswein und Braten) im Norden.

Vergleichen Sie die Preise, aber schauen Sie nicht nur auf die Zahl unten rechts. Achten Sie auf den Versicherungsschutz, die Motorleistung und die Tankregelung. Und noch ein letzter Rat von mir: Lassen Sie nichts, aber wirklich gar nichts, sichtbar im Auto liegen, wenn Sie an Aussichtspunkten halten. Nicht mal eine Sonnenbrille oder eine Jacke. Mietwagen sind leider beliebte Ziele für schnelle Einbrüche, besonders an abgelegenen „Miradores“.

Gute Fahrt und genießen Sie die Insel – es gibt kaum einen schöneren Ort zum Autofahren, wenn man erst mal den Dreh raus hat.